• Transalp von München nach Venedig – Juli 2021

    Exathlon goes to Venice

    22.7.-26.7.2021

    Nachdem uns die Pandemie vielfach ausgebremst hatte, brauchten wir ein kleines High-Light und beschlossen einen Kurztrip nach Venedig mit dem Rennrad. Wir waren zu viert, als die Planung konkret wurde: Patricia, Kordula, Jens und Albertano. Die Vorfreude war gigantisch und hat sämtliche Wochenend-Trainingsfahrten überstrahlt.

     

    Die „Wie-Zurück?“ Frage löste sich in Wohlgefallen auf, als wir von einem Fahrradshuttle Transalp erfuhren, der in Venedig startet und bis zum Brenner Fahrradfahrer einsammelt, die er zurück bringt.
    Als der Tag nahte, gab es einen herben Wermutstropfen zu schlucken: Patricia hatte sich das Knie verletzt und musste zu Hause bleiben.

    Start Donnertag, 22.7.21, 7:00 Kugler Alm bis Sterzing. Endlich! Das erste Stück wohlbekannt und oft gefahren, Frühstück in Tölz. Weiter zum Sylvensteinstausee und in die Traumlandschaft am Achensee. Mittagessen in Schloss Mitterhart im Inntal, im Garten direkt am Inn. Das Lokal hatten wir schon vorher ausgekundschaftet, wir wollten gutes österreichisches Essen und bekamen es.

    Dann, nach 25 km, der erste Anstieg rauf zum Brenner – sehr steil, bei 30 Grad Hitze. Dann geht es lange hinter ins Tal bei wechselnden, weniger giftigen Steigungen. Wir fuhren in eine Gewitterfront hinein und, natürlich, Regen, nass, kalt. Ein Temperaturunterschied von 20 Grad, jede Steigung war jetzt willkommen um ein bisschen warm zu werden.

     

    Endlich oben am Brenner, dachten wir, dass wir gleich in Sterzing sind, aber es zog sich. 19:30 im Hotel, kaputt und glücklich.

    Die nächste Etappe ab Sterzing war anfangs wunderschön, ein Höhenweg am Waldrand in herrlicher Landschaft. Ein Radweg geht fast durchgängig bis Trento. Etwas später im Tal läuft die Trasse fast schnurgerade zwischen Obstplantagen. Und ständig starker Gegenwind. Etwas Erleichterung verschaffte nur der belgische Kreisel, doch es war sehr anstrengend. Immerhin eine gute Pizza mittags – Italien! Unser Hotel war in Pergine geplant, das letzte Stück waren nur einige Kilometer Steigung, wir wussten das. Doch krass, davon vielleicht 3km 20%!! Ich musste absteigen und schieben, anders ging’s nicht. Die Bergwertung ging wie immer an Albertano, aber Jens hält bei sowas locker mit. Das Hotel war wieder ein Hit. Sehr authentisch mit hervorragender Küche (Gnocchi mit Tomatenessenz, Polenta mit gebratenem Käse, mmmhh).

    Am 3. Tag bekamen wir Gesellschaft von einem Freund Albertanos mit seinem Bianchi, Antonio. Wieder ein wunderbarer Radweg am Fluss Brenta entlang. Genussradeln, sanft bergab, heiße Sonne, kühle Brise vom Wasser, so liefs bis Bassano del Grappa, wo wir dank unseres Local Guides in einer Trattoria hervorragend Mittag gegessen haben. Auf den Grappa mussten wir leider verzichten.

           

    Nach der Verabschiedung Antonios: weiter, weiter, weiter, das Veneto ist warm und schwül. Und dann konnten wir das Meer riechen, die Kilometer bis Venedig purzelten, die Aufregung stieg. Da war sie, die Brücke von Mestre nach Venedig, über’s Meer.

    Ein großes Glücksgefühl, fast rauschhaft erfasste uns: wir waren in Venedig. Drei Tage durch wunderbare Landschaften, und man ist in einer anderen Welt. Unser Hotel lag perfekt sehr nahe dem Ort, bis zu dem man radeln kann. Klein aber fein, in einem alten Palazzo, bezogen wir Quartier, ganz in der Nähe ein lebendiger Platz mit vielen Lokalen.

    Den ganzen folgenden Tag stromerten und schipperten wir durch Venedig, vom Markusplatz über das jüdische Viertel zum Cimitero von San Michele – Kaffee in La Giudecca, Aperitif und Cicchetti in Dorsoduro.

         

    Für den letzten Abend hatten wir uns ein perfektes Lokal reserviert und exzellent gegessen, auch hier „belgischer Kreisel“, die Teller wurden weitergereicht, so konnten wir alles bestellen, was uns angelacht hat. Bei einer Flasche Wein, versteht sich.

     

    Jetzt ist es Montag, 15:00 nachmittags, wir fahren gerade mit dem Shuttle durch Garmisch und werden in einer Stunde in München sein.

    Diese Tour war ein vollkommenes Highlight, nächstes Jahr wieder!

    Kordula K.

  • Transalp von München zum Gardasee mit dem Rennrad – August 2021

    Bericht von Ulrich Vormbrock über seine Alpenüberquerung zum Gardasee über das Timmelsjoch

    Wie alles begann

    Wer mich näher kennt, der weiß, dass ich in der Vergangenheit an vielen Wettkämpfen im Bereich Langstreckenschwimmen teilgenommen hatte.
    Allerdings hat die Corona-Pandemie so einiges durcheinandergewirbelt – und ich wollte kein teures Geld für Extrem-Schwimm-Events (plus Hotel und Flug) ausgeben – um dann möglicherweise hinterher feststellen zu müssen, dass diese wegen Corona doch nicht stattfinden. Auf meinem Plan stand zum Beispiel der Ultra-Oceanman in Griechenland. Und abgesehen davon: der Sommer 2021 war so dermaßen schlecht, verregnet und voll gespickt mit Gewittern, dass ich per se keine große Lust auf ausgedehntes Freiwasser-Training hatte!

    Es gibt ja ein spanisches Sprichwort, welches besagt: wo eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere! Volià!
    Ich hatte ja damals von 2006-2008 (als ich in der Schweiz lebte) sämtliche Pässefahrten mit meinem Carbon-Rennrad unternommen – und ich war gespannt, ob ich mit etwas Training die alte Form wieder herstellen konnte. Schließlich lagen ja 13 Jahre zurück – zuletzt hatte ich den Grimsel- und Nufenenpass im Sommer 2008 bezwungen.

    Training vorher

    Ich fing etwa drei Wochen vor meiner großen Tour mit dem Training an und fuhr vorzugsweise Strecken über Bad Tölz mit 100 – 140 Tageskilometern und 400 – 800 Höhenmetern. Das ging auch prima – obgleich meine Triathlon-Uhr mich plötzlich mit dem Hinweis „Training zu hart!“ ermahnte. Wichtig zu erwähnen: ich war Anfang Juni mit in Cesenatico (= unser alljährlich stattfindendes Trainingslager mit Schwimmen, Laufen und Radfahren) dabei und konnte gemeinsam mit anderen Exathlet*innen prima trainieren – Highlight war (wie jedes Jahr) die Auffahrt nach San Marino. Insofern war es um meine Form nicht allzu schlecht bestellt.

    Zwischenfall

    Leider zog ich mir eine Woche vor der großen Tour einen Hexenschuss zu – bei einer Ausfahrt hatte ich mich an einer Strassenkreuzung an einem Ampel-Mast festgehalten und bei grün mich mit dem rechten Arm zu stark nach vorne gedrückt – die Torsion erzeugte Schmerzen im unteren Lendenwirbelbereich. Die Ausfahrt konnte ich dennoch fortführen. Am Mittwoch (5 Tage vor meiner Tour) wurde der Hexenschuss so stark, dass ich kaum sitzen konnte und mich für den Tag krankgemeldet hatte. Verdammt! Ich sah schon meine Tour ins Wasser fallen – vielleicht wäre Schwimmen doch eine bessere Wahl für mich gewesen? Ich ging zu einem Orthopäden – der machte zwar nicht viel, aber sprach mir unwahrscheinlich viel Mut zu: „Sie sind keine Couch-Potatoe, Sie wirken athletisch und durchtrainiert. Sicherlich ist das nicht Ihre erste Transalp, die Sie starten möchten. Machen Sie ruhig die Alpen-Überquerung – zur Not fahren Sie nicht über das Timmelsjoch, sondern über den Brenner – so können Sie im Notfall immer noch mit dem Zug weiterfahren„. Wie durch Magie war am nächsten Tag der Hexenschuss wie weggeblasen – ich weiß bis heute nicht, warum. Möglicherweise war es die Zuversicht, die mir der Orthopäde zukommen ließ.

    Wetterlage

    Auch die Großwetterlage für die erste August-Woche war nicht gerade ermunternd – sowohl für Oberbayern, Österreich, aber auch für den Gardasee! Nun hatte ich allerdings Urlaub für die erste August-Woche eingereicht und zudem in Limone ein Hotelzimmer für 4 Nächte gebucht. Diese Buchung war verbindlich und nicht stornierbar! Ich schaute recht häufig auf meine Wetter-App: Sorgen machte mir vor allem das Timmelsjoch – dort waren täglich ab ca. 16h Gewitter angekündigt. Ich beschloß, trotzdem zu fahren und gegebenenfalls auf den Brenner auszuweichen.

    Vorbereitung

    Zwecks Navigation legte ich mir ein Navi zu. Auf Komoot plante ich die Strecke und spielte diese dann auf das Navi auf. Übrigens habe ich bereits bei einigen Ausfahrten vorher das neue Navi getestet und lernte dabei, dass die Touren in der Tat vorher am PC oder Mac recht akribisch geplant werden wollen – sofern man unterwegs keine bösen Überraschungen (z.B. Umwege durch Wohngebiete, Schotterpisten, etc.) erleben möchte. Des weiteren legte ich mir eine Satteltasche zu, welches sich an der Sattelstütze mit Klett- und unter dem Sattel mit Klippverschlüssen recht leicht montieren lässt. Meine Tasche hat ein Fassungsvermögen von 16,5 Liter – d.h. da passt viel rein – angefangen von Strassenschuhen, lange Hose, T-Shirts, Jacke, Zahnputzzeug, Werkzeug, etc. Das Geniale an dieser Tasche: sie läuft zur Sattelstütze schmal und keilförmig zu und wird nach hinten immer breiter. Durch ein Ventil kann übrigens überschüssige Luft herausgelassen werden, so dass das Volumen nochmal reduziert werden kann. Am Vorabend habe ich die Tasche gepackt und anschließend gewogen: ich kam auf gut 4 kg Gepäck!

    Transalp - Route von München über das Timmelsjoch zum Gardasee

    Außerdem brauchte ich ja noch einen Rücktransport. Meine Idee war, von Rovereto aus den Eurocity zu nehmen und das Fahrrad im Zug mitzunehmen. In einigen Foren erfuhr ich allerdings, dass es nicht immer möglich sei – und der Schaffner die Mitnahme des Fahrrads verweigern kann, wenn der Zug voll ist. Es muss bereits in der Vergangenheit sogar zu einigen Handgreiflichkeiten zwischen Reisenden und Schaffnern gekommen sein! Also entschied ich mich für eine sicherere Variante: Rücktransport mit einem Shuttle-Bus von Torbole nach München – der Spass kostet 110 Euro (pro Person plus Gepäck plus ein Fahrrad) – die Fahrzeit beträgt dabei ca. sieben Stunden, da der Bus unterwegs an mehreren Stellen (Bozen, Innsbruck, Garmisch) anhält und weitere Personen aufnimmt oder absetzt.

    Es geht los – erster Tag

    Ich startete um 6h30 in Feldmoching und hatte bis zum Deutschen Museum (= da begann für mich der Isar-Radweg) mit recht viel Strassenverkehr und roten Ampeln zu kämpfen. Ab dann wurde es ruhiger – und als ich am Säbener Platz (= Eintrittspforte zum Perlacher Forst) angekommen war, wurde das Radfahren zum Genuss – ich radelte über Oberbiberg und Dietramszell nach Bad Tölz. Das Wetter war trotz schlechter Prognosen sehr angenehm und sonnig. In Bad Tölz legte ich in einem Straßencafé eine Pause ein und genoß die Umgebung bei einem Cappuccino und einem Schoko-Croissant.

         

    Nach meiner wohlverdienten Pause ging es auf der anderen Isar-Seite weiter über Lenggries über die Jachenau zum Walchensee. Dort kippte allmählich das Wetter – ich konnte aber trotzdem noch einige recht ansprechende Fotos vom Walchensee machen und mich mit einem Energieriegel stärken. Übrigens sieht man auf dem ersten Bild sehr gut die geniale Satteltasche, welche man beim Fahren so gut wie gar nicht merkt – erst später beim Pässefahren, wie wir noch sehen werden.

         

    Zwischen Walchensee und Mittenwald fing es plötzlich an zu regnen – Gott-sei-Dank blieb es bei einem kurzen Regenguss. Ab Wallgau ging es über einen gemütlichen Rad- und Wanderweg nach Mittenwald – etwas nervig empfand ich allerdings manche E-Biker, die zum Teil zu dritt nebeneinander fuhren und nebenbei auch noch mit ihrem Smartphone zugange waren. Egal – dachte ich mir – es ist Urlaubszeit – und: leben und leben lassen … nur bei einer Sache war ich dann doch nicht tolerant: in Mittenwald stärkte ich mich mit einem halben Hendl mit Pommes – beides war so trocken, dass ich die Hälfte wieder zurückgehen ließ! Na wenigstens mundete das Weißbier, welches mir neben Gelassenheit auch die nötigen Mineralien lieferte, die ein Sportler so braucht …

        

    Nach Mittenwald und hinter der Grenze zu Österreich ging es in einigen Serpentinen hoch in das wunderschöne Leutaschtal (Hochebene, ca. 1136 m über NN, s. erstes Foto), wo es sich sehr angenehm radeln ließ. Auch das Wetter wurde plötzlich wieder besser. Hinter Leutasch ging es dann sieben Kilometer mit 10% bergab nach Telfs. Da bekam ich richtig Speed – aber musste an einer Stelle höllisch aufpassen, da ein Traktor auf der Gegenspur zwei Rennradfahrer überholte und mir recht nahe kam!

    Leutasch - hier radelt es sich sehr gut    7km lange Abfahrt von Leutasch nach Telfs

    Die Weiterfahrt von Telfs entlang des Inns bis nach Ötztal war wenig spektakulär bis eher langweilig: meist war Hauptstrasse angesagt – und wenn es einen Radweg gab, führte dieser entlang von Gewerbegebieten mit nervigen Ein- und Ausfahrten. Außerdem macht es nach einer so schönen und rasanten Abfahrt nicht mehr so großen Spaß, durch flaches Land zu radeln.

    In Ötztal (am Kreisverkehr Ötztaler Höhe) machte ich Rast an einer großen Tankstelle – genehmigte mir einen Espresso und zwei Flaschen Mineralwasser. Ich nahm draußen an einem Bistrotisch (mit überquellenden Aschenbecher) Platz und organisierte mir mit einer Booking-App eine Unterkunft für die kommende Nacht. Dabei erfuhr ich: je höher und je näher an Sölden gelegen, desto teurer (ab ca. 180 Euro) wäre die Übernachtung gewesen. Meine Wahl fiel auf ein Sport-Hotel in Umhausen, gut 10 km von Ötztal gelegen. Dort kostete die Übernachtung mit Frühstück 72 Euro.

    Ab Ötztal gen Süden beginnt ja die Ötztal-Bundesstrasse entlang vieler touristischer Orte wie Oetz, Längenfeld und Sölden. Und diese Strasse war für mich nicht besonders angenehm: sehr viel Auto- und Schwerlast-Verkehr! Das kann ja noch heiter werden – dachte ich mir. Denn schließlich trennten mich noch 54 km von der Timmelsjoch-Passhöhe! Es gab zwar ab und zu einige Radwege, die aber teilweise von der Strasse wegführten – und wo man sich nicht sicher sein konnte, ob sie sich später zu Schotterpisten verwandeln. Ganz zu Anfang kurz hinter Sautens nahm ich „ordnungsgemäß“ den Radweg, der sich dann plötzlich zu einer Schotterpiste verwandelte. Ergo drehte ich wieder um, trug das Rad über die Leitplanke auf die Straße und setzte meine Tour fort. Auf dem Weg nach Umhausen an einer Radweg-Abzweigung holten mich übrigens zwei Rennradfahrer ein – ich fragte sie, ob diese Abzweigung für uns Rennradfahrer geeignet sei. Sie wussten es selber nicht. Auf einmal fragte mich einer der beiden, was ich mit meinem rechten Schuh gemacht habe. Ich war überrascht und stellte daraufhin fest, dass sich die Sohle meines Rennrad-Schuhs gelöst hatte und noch am Pedal hing. Oh Mist – ausgerechnet auf dieser großen Tour passiert so etwas – dachte ich mir! Ich entfernte die Sohle vom Pedal und fuhr die letzten Kilometer weiter zum Hotel – das Treten funktionierte auch einigermaßen gut – nur das Ziehen nicht mehr.

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    Gut zu wissen

    Es gibt offiziell einen sehr schönen, ca. 43 km langen Radweg von Haiming bis Sölden – den sogenannten Ötztal-Radweg.

    Dieser Radweg ist allerdings nur zu 50% asphaltiert – also eher für E-Biker und MTB-Fahrer geeignet.

    Mehr Infos über den Ötztal-Radweg hier:
    https://www.tirol.tl/de/freizeit-aktiv/rad-mountainbike/radwege-in-tirol/oetztal-radweg/

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    Bundesstrasse von Ötztal über Sölden zum Timmelsjoch   

    Das Hotel war klasse – es gab einen abschließbaren Fahrradraum und sogar eine Vorrichtung, um das Rad zu waschen. Außerdem hatte es einen Fitness-Raum sowie einen Wellness-Bereich – allerdings wegen Müdigkeit und Zeitknappheit nahm ich beides nicht in Anspruch. Die junge Dame an der Rezeption war sehr freundlich und hilfsbereit – und auf meine Nachfrage, wo ich möglicherweise neue Rennradschuhe herbekommen könnte, empfahl sie mir ein Sportgeschäft in Umhausen, welches am nächsten Tag ab neun Uhr geöffnet hatte. Nach dem Duschen stärkte ich mich in einem urigen Restaurant mit Fleisch und Spätzle – denn ich brauchte ja genügend Treibstoff für den folgenden Tag – aber ob es zu einem derartigen Sich-Auspowern kommen würde, hing gänzlich davon ab, ob ich in Kürze neue Rennradschuhe bekommen würde oder nicht – diese Frage beschäftigte mich auch über Nacht, weshalb ich eher unruhig schlief.

    Insgesamt fuhr ich an dem ersten Tag 186 km (mehr als geplant, da ich mich stellenweise verfahren hatte) und 1099 Höhenmeter. Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 22,4 km/h.

    Weiterfahrt – zweiter Tag

    Nach dem Frühstück machte ich mich gleich auf zu einem Sportgeschäft in Umhausen. Dort erwiderte mir der Verkäufer, dass sie keine Rennradschuhe führen – und dass das Kleben des kaputten Schuhs nicht möglich sei. Er empfahl mir, 12 km weiter nach Längenfeld zu fahren und es dort zu versuchen. Der Weg nach Längenfeld war teilweise sehr schön und abseits der vielbefahrenen Strasse. Nur der Blick gen Süden machte mir wenig Hoffnung auf eine regenfreie Pässefahrt!

     

    In Längenfeld fragte ich in zwei Sportgeschäften nach und bekam stets dieselbe Absage: Nein, Rennradschuhe führen wir nicht! Erst beim dritten Sportgeschäft wurde ich fündig: Markus, der nette Verkäufer, ließ mich einige Rennradschuhe anprobieren und montierte mir zudem neue Klickpedalen. Denn die alten entsprachen nicht mehr der neuesten Norm – und außerdem stellte Markus fest, dass meine alten Pedalen wackelten und Spiel hatten. Wäre mir während der Auffahrt auch nur ein Pedal abgebrochen, wäre meine Transalp definitiv zu Ende gewesen.

    Markus war absolut sympathisch und sprach mir Mut zu: das schaffst du! Du kommst heute sicherlich bis Bozen! Dann erzählte er mir von Rennradfahrern, die an einem Tag vom Ötztal bis zum Gardasee brettern.

    Danach ging es mit den neuen Schuhen weiter bergauf – der Verkehr wollte einfach nicht aufhören. Vor allem die LKWs mit Bauschutt nervten mich sehr! Nur gut, dass ich mit den neuen Schuhen und Pedalen gut zurecht kam.

    Ab Sölden – ein Ferienort auf 1.368 m Höhe (1. Foto) – wurde es vom Verkehr her deutlich ruhiger. Dafür wurde aber auch das Wetter schlechter! Ab Zwieselstein (2. Foto) fing es zunächst leicht an zu regnen. Meinen Helm hatte ich ja per se mit einem neongrünen Überzug versehen – zusätzlich zog ich mir noch meine neongrüne Windjacke an – das hatte zudem den Vorteil, dass ich bei der trüben Sicht von Autofahrern besser gesehen werden konnte.

     

    Die Auffahrt bis zur Mautstation in Hochgurgl war alles andere als leicht, zudem ich hinten nur ein 28-er Ritzel hatte und daher kräftig treten musste. Außerdem hatte ich ja noch über 4 kg Gepäck an Bord. Übrigens gibt es an der Mautstation eine kleine Durchgangs-Spur für Radfahrer – im Gegenteil zu Autos und Motorrädern muss man die Überfahrt nicht gegen Bares, sondern mit viel Krafteinsatz berappen!

    Kurz hinter der Mautstation fing es auch noch leicht an zu hageln – ich konnte mich aber unterstellen – und nach fünf Minuten war der Spuk vorbei.

    Hinter der Mautstation geht es übrigens von 2170 m wieder runter auf 2078 m – die knapp 100 Höhenmeter muss man sich hinterher wieder mühevoll erarbeiten! Die Auffahrt zur Passhöhe erwies sich schon als recht grenzlastig – und ich legte ca. alle 15 Minuten eine kurze Pause ein und verdrückte jeweils einen halben Energieriegel. Dazu war es recht kalt. Ich betete innerlich, bloß keinen Platten an dieser Stelle zu bekommen – denn durch die Kälte wurden die Finger fast taub – d.h. ein Schlauchwechsel wäre das Allerwenigste gewesen, was ich in dieser Situation gebraucht hätte! Das Wetter war alles andere als einladend – und vor lauter Wolken gab es – abgesehen von der Strasse – recht wenig Orientierung! Vom atemberaubenden Alpen-Panorama keine Spur – und man konnte nicht einmal per Augenmaß abschätzen, wann endlich die Passhöhe kommen würde. Aber irgendwann ließ auf einmal die Steigung nach – das Pass-Schild erschien in der Nebelsuppe – und ich konnte sagen: das Schwerste ist geschafft! 

    A propos Wetter: ich möchte nicht meckern: es war zwar kühl und regnerisch – aber wie wäre ich bei sengender Hitze klargekommen, wenn vor lauter Durst meine beiden Trinkflaschen nicht ausgereicht hätten?

    Auffahrt von Sölden zum Timmelsjoch

        Oben am Timmelsjoch auf 2500m Höhe

    Wie man auf dem letzten Foto unschwer erkennen kann, war es ganz oben auf 2500 m Höhe sehr ungemütlich und kalt. Gott-sei-Dank befand sich auf Passhöhe ein kleines Restaurant, wo ich mich erst einmal von den Strapazen erholte und mich mit einer Portion Spaghetti Bolognese und einem Weißbier belohnte.

    Danach kam die Abfahrt nach St. Leonhard im Passeiertal – insgesamt knapp 30 km und 1820 Höhenmeter. Ich hatte bereits im Vorfeld gelesen, wie gefährlich die Abfahrt sei: im oberen Bereich einige unbeleuchtete Tunnel, dazu sehr enge Kehren und Brücken. Ich war also auf das Schlimmste vorbereitet! Vorsichtshalber schaltete ich mein Vorder- und Rücklicht ein und nahm die Abfahrt in Angriff. Dabei schüttete es so dermaßen aus Kübeln, dass ich bis schnell bis auf die Knochen durchnässt war. Außerdem war es oben mit unter 10°C nicht gerade mollig-warm. Dass ich mich nicht erkältet habe, lag vermutlich daran, dass mein Adrenalinspiegel recht hoch war. Vorsichtig aber zügig fuhr ich die Pass-Strasse hinunter und spürte, wie es allmählich wieder etwas wärmer wurde. Mit den Tunneln hatte ich weniger Probleme, da diese recht kurz waren. Außerdem hielt sich bis St. Leonhard der Autoverkehr stark in Grenzen, was die Abfahrt erträglich machte. Da es ja ununterbrochen geschüttet hatte, fehlte mir die Lust, überhaupt einen kurzen Foto-Stopp einzulegen. Daher kann ich erst ab Meran wieder mit Fotos aufwarten …

    Ab St. Leonhard wurde der Verkehr plötzlich wieder sehr intensiv – dazu fuhr ich auf einer Landstrasse ohne Fahrradstreifen. In Meran angekommen, hatte ich einen langen Stau, der sich durch das gesamte Stadtgebiet zog. Aber dafür wurde es in Meran richtig angenehm warm, und meine Klamotten waren im Nu komplett getrocknet.

    In Meran gönnte ich mir eine Kaffeepause und genoss den Hauch von mediterraner Leichtigkeit. Außerdem organisierte ich mir wieder mit der Booking-App ein Hotelzimmer in Bozen – denn dort wollte ich an diesem Tag noch hin. Die Zimmerpreise in Bozen waren gewaltig – für 84 Euro (ohne Frühstück) ergatterte ich mir ein Zimmer in einem recht einfachen Hotel – aber immerhin war es sehr zentral gelegen!

    Nach der Abfahrt vom Timmelsjoch Einkehr in Meran    

    Nach der Kaffeepause begann meine Irrfahrt – trotz Navi fand ich den Zugang zum Etschtal-Radweg nach Bozen nicht. Ich irrte durch die Stadt und fuhr stadtauswärts – aber in eine komplett verkehrte Richtung – zwar auch entlang der Etsch, aber westwärts nach Algund statt gen Süden. Bei Meran nämlich endet die west-östliche Flussrichtung der Etsch und fließt von nun an südöstlich in Richtung des Bozener Talkessels,    Außerdem mündet in Meran die vom Norden kommende Passer in die Etsch. Ich machte eine regelrechte Stadtrundfahrt – und erst, als ich mein Smartphone mit der Komoot-App hervorholte, fand ich den richtigen Weg nach Bozen. Ich kann daher jedem nur dringend raten, sich mit dem Navi sehr gut vertraut zu machen – oder auf bewährtes Karten-Material (damit meine ich die gute alte Karte!) zurückzugreifen. Das Navi selbst zeigt immer nur einen kleinen Ausschnitt – d.h. man sieht nicht unbedingt, wo man sich im größeren Rahmen (z.B. Stadtteil) befindet.

    Der Etschtal-Radweg (wie wir auch noch später sehen werden) ist super angenehm zu fahren: stets entlang des Flusses Etsch („Adige“ auf Italienisch – übrigens mit 415 km der zweitlängste Fluss Italiens) und durchgehend geteert. Außerdem gibt es immer wieder Kilometerhinweise bis zum nächsten Ort. In Bozen verfuhr ich mich leider wieder! Oder anders gesagt: ich fuhr an Bozen vorbei Richtung Süden – in meinem Navi war nur die gesamte Tour, nicht aber Bozen als Zwischenstopp gespeichert. Ich hätte rechtzeitig gen Osten ins Stadtzentrum abbiegen müssen und fuhr stattdessen mehrere Kilometer weiter in Richtung Trient. Denn vom Radweg aus sah ich fast nur Strom-Masten, rot-weiße Schornsteine und Gewerbegebiete – konnte also kaum aus der Ferne die Stadt an sich erkennen! Als ich den Fehler bemerkte, radelte ich wieder in die entgegengesetzte Richtung und hatte große Mühe, durch den Bozener Stadtverkehr ins Zentrum und zum Hotel zu finden.

       

    Insgesamt fuhr ich am zweiten Tag 147 km und 1840 Höhenmeter. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 19 km/h.

    Endspurt – dritter und letzter Tag

    Die Wetter-Prognosen waren für diesen Mittwoch eher bescheiden: Dauer-Regen sowohl in Südtirol, als auch am Gardasee! Als ich morgens aufwachte, war es zwar bedeckt, aber immerhin trocken!

    Nach dem Frühstück unweit vom zentral gelegnen Waltherplatz machte ich mich wieder mit dem Rennrad auf den Weg Richtung Trient – im Gegensatz zum Vortag fand ich sehr schnell den begehrten Etschtal-Radweg. Im Bozener Innenstadtbereich herrschte noch viel Radl-Pendelverkehr – aber wenige Kilometer außerhalb wurde es deutlich ruhiger.

    Der Etschtal-Radweg ist sehr schön zu fahren. Außerdem gibt es ab und zu kleine Raststätten, wo man sich stärken kann. Nur gelegentlich (z.B. bei den Brücken) ist Vorsicht angesagt, wenn man eine Hauptstrasse überquert. Da ich durch die letzten anstrengenden Tage recht müde war, bin ich die Strecke bis nach Rovereto recht zügig gefahren und habe selten angehalten. Ich wollte nur eins: möglichst schnell den Gardasee erreichen. Lediglich in Trient legte ich eine Kaffeepause ein.

       

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    Tipp

    Die Strecke von Bozen nach Rovereto unbedingt vormittags fahren. Am Nachmittag (vor allem bei schönem Wetter) muss mit starkem Gegenwind gerechnet werden!

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    In Rovereto musste ich den Etschtal-Radweg verlassen und in östliche Richtung gen Torbole abbiegen. Dabei ging es nach längerer Zeit wieder über Serpentinen bergauf. An manchen Stellen waren Fahrräder nicht zugelassen, und ich musste auf separate Radwege oder Kleinstrassen ausweichen. Das war etwas nervig – aber zumindest fühlte ich mich dabei sicher. Im Nachhinein erfuhr ich, dass ich bis Nago den Passo San Giovanni (der niedrigste Pass der Alpen – 287m) gefahren bin. Ganz oben hat man eine spektakuläre Aussicht auf den Gardasee! Nur leider ging es mit dem Verkehr so schnell, dass ich wieder wenig Zeit hatte, genau auf das Navi zu schauen: statt direkt die Serpentinen runter nach Torbole zu nehmen, fuhr ich einen großen Schlenker über Arco und dann zurück entlang des Flusses Sarca nach Torbole. Nun war ich endlich am Gardasee!

    Viel Verkehr in Torbole  Riva del Garda

    Aber das Schlimmste stand mir noch bevor: die 11 km von Riva del Garda nach Limone! Nicht etwa, dass ich keine Kraft und Energie mehr hatte – die Strecke besteht allerdings überwiegend aus Tunnel – teilweise sogar unbeleuchtet! Leider hatte ich bei der gestrigen Abfahrt vom Timmelsjoch nach St. Leonhard den Akku meines Vorderlichts leergemacht – mir blieb lediglich das Hinterlicht, welches ich auf Blink-Modus geschaltet hatte. Und dann ab ins Vergnügen! Das war nicht nur unangenehm, sondern fast schon lebensgefährlich: entgegenkommende Autofahrer betätigten teilweise die Lichthupe – und der Lärm in den Tunnel war (vor allem durch die zahlreichen Motorradfahrer) ohrenbetäubend! In solch einer Situation greift offenbar der Überlebensinstinkt, denn anders ist das Manöver nicht zu bewältigen!

    Tunnel zwischen Riva del Garda und Limone

    Am Hotel angekommen, gönnte ich mir erst einmal eine lockere Schwimmeinheit – nach so viel Asphalt tat das kühle Nass richtig gut!
    Und ich hatte Glück gehabt: ich kam trocken in Limone an – erst dann fing es über Stunden an zu regnen.

       

    Insgesamt fuhr ich am dritten Tag 130 km und 400 Höhenmeter. Meine Durchschnitts-Geschwindigkeit lag bei 25,5 km/h.

    Drei Tage Urlaub – und dann Rückfahrt

    Meine Tour war ja am Mittwochmittag in Limone zu Ende. Abends gab es dort heftige Wolkenbrüche! Aber am nächsten Tag war das Wetter wie ausgewechselt: strahlender Sonnenschein durchgehend bis Sonntag (= mein Abreisetag). Ich genoss die Mischung aus Sightseeing, Bootsfahrten, Dolce Far Niente und Schwimmeinheiten im See. Und es war ein erhabenes Gefühl, mich mit eigener Muskelkraft von München in eine komplett andere Klimazone und in eine vollkommen andere Welt befördert zu haben – und das auch noch klimaneutral 🙂

    Wenn ich so am Seeufer saß, wäre ich am liebsten ca. 6 km schräg rüber nach Malcesine geschwommen – oder direkt bis zur anderen Seeseite – das wären 4 km gewesen. Allerdings herrscht auf dem Gardasee reger Schiffsverkehr – d.h. auch mit Boje wäre das Unterfangen recht gefährlich gewesen. Auch entlang des Ufers bin ich maximal eine Stunde lang geschwommen, da es sogar Motorboote gab, die weniger als 100m vom Ufer entfernt herumfuhren. Irgendwie fühlte ich mich beim Schwimmen nicht sehr sicher – ganz anders, als z.B. im Wörthsee südwestlich von München. Was die See-Überquerung anbelangt – es wäre doch sicherlich ein interessantes Unterfangen, mit mehreren Schwimmer*innen (z.B. von Exathlon) und mit einem Begleitboot eine Gardasee-Breitenquerung zu unternehmen.

            

    Am Sonntagmorgen um 8h30 begann dann die Rückfahrt mit dem Shuttle-Bus, welcher einen großen Anhänger für die Fahrräder hatte. Die meisten, die mit mir zurück nach München fuhren, waren entweder E-Biker oder Mountainbike-Fahrer. Ein junges Pärchen aus Norddeich-Mole war auch dabei: sie fuhren jeweils mit einem Tourenrad plus Anhänger durch ganz Deutschland entlang der ehemaligen DDR-Grenze und dann über die Alpen nach Italien – Hut ab!

    Zurück ging es mit dem Bus wieder über Nago – und ich konnte einen letzten Blick auf den Gardasee erhaschen. Der Busfahrer gab übrigens zwischendurch immer wieder Kommentare und Wissenswertes über Geographie und Geschichte.

     

    Um 15h30 kam der Shuttle-Bus am Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB) an. Von dort aus waren es mit dem Rad nur noch wenige Kilometer bis nach Hause. Und ich war sehr froh, die Tour unfallfrei und ohne Fahrradpannen (abgesehen natürlich von dem Zwischenfall mit dem Rennradschuh) überstanden zu haben! Ich habe eine Leidenschaft von vor über zehn Jahren (Pässefahren in der Schweiz) wiederentdeckt!

    Schlussbetrachtung

    Pässefahrten (oder Transalp) ist etwas Faszinierendes! Freud und Schmerz liegen oft dicht beinander. Je nach Wind, Wetter, Steigung, Gepäck, Gangschaltung, moralischer Verfassung etc. kann ein Aufstieg recht anstrengend und kräftezehrend sein. Man muss sich selbst kontinuierlich Mut und Zuversicht zusprechen – ja, man muss die Herausforderung einfach wollen! Dafür wird man mit toller Aussicht (ok in meinem Fall am Timmelsjoch wohl eher nicht!), Brotzeit, Erleichterung, rasanter Abfahrt und überhaupt mit einem Erfolgserlebnis belohnt. Es sind Erinnerungen, die das ganze Leben über bestehen bleiben! Ich zehre noch heute von meinen damaligen Pässefahrten aus den Jahren 2006-2008! Übrigens sehe ich persönlich das Pässefahren als eine Art Parabel für das menschliche Leben: es gibt Lebensabschnitte, die sind zäh – man kämpft und kämpft, aber der Flow oder der Erfolg will sich nicht so richtig einstellen! Ja man möchte alles hinschmeißen! Und dann plötzlich kommen Phasen, wo sich Vieles zum Guten wendet, wo die Dinge auf einmal wie geschmiert und fast wie von selbst laufen.

  • Exathlon goes Ice (Eisschwimmen 2020)

     

    Nachdem wir 2019 mit dem Eisschwimmen begonnen haben, gelang es Rossi und mir für dieses Jahr die Eisschwimm-Neulinge Katharina, Stephan und Oliver zum Mitmachen zu gewinnen. Trainiert haben wir den ganzen Herbst und Winter, mehr oder weniger häufig. Wenigstens einmal in der Woche wollten wir es schaffen. Bevorzugt im Fasaneriesee und Lusssee. Manchmal auch mit den Münchner Eisschwimmern am Flaucher. Die Trainingsbedingungen waren überwiegend traumhaft.

       

    Rossi konnte nicht durchtrainieren – sie musste für ca. 8 Wochen pausieren, weil sie im Oktober den kleinen Eisschwimmer Timo zur Welt brachte 🙂 ! Es zeigte sich, dass sich die vergangene Saison bereits ausgezahlt hat, denn der Wiedereinstieg fiel ihr trotz der Pause erstaunlich leicht.

     

    Die German Open 2020 in Veitsbronn musste Kordula alleine bestreiten – dafür mit Spaß und Erfolg und – Premiere: die 500m (!) – geschafft, bei 3 Grad in diesem Jahr. Dass diese Strecke für uns machbar ist, haben wir im letzten Jahr noch nicht für möglich gehalten. Auch hier zeigte sich der Lerneffekt unseres Körpers nach nur einer Saison – dran bleiben lohnt sich also 😉

    Ob die 1000m jemals gehen weiß man nicht (…).

    Beim Eiskönig am Chiemsee waren wir dann fast alle dabei – leider konnte Katharina wegen einer Erkältung nicht mitschwimmen.

     

    Rossi und Kordula sind die 50m und die 200m geschwommen – bei angenehmen 4 Grad.

    Mit ein wenig Überzeugungskraft und der Devise „50m gehen immer“ konnten wir dann die erste Exathlon-Eis-Staffel (4×50 m Freistil) mit Stephan, Kordula, Rossi und Oliver ins Eiswasser zaubern. Mit einer sensationellen Zeit von 2:49! Auch die anfänglichen Skeptiker konnten anschließend bestätigen, dass auf dieser Strecke und im Wettkampffieber gar keine Zeit aufkam, zu Frieren 😉

    Und siehe da – alle drei, Stephan, Oli und Katharina haben Spaß daran gefunden und sind nächstes Jahr wieder mit dabei, auch mit Einzelstrecken. Wir freuen uns!

    Unterstützt haben uns Carsten, Timo, Thomas und Steffi. Vielen Dank!

     

    Wenn nun jemand von Euch Lust bekommen hat es auch mal auszuprobieren: Kontaktiert uns, gerade jetzt das Frühjahr ist eine wunderbare Zeit, um reinzuschnuppern. Angenehme Temperaturen draußen, idealerweise Sonnenschein, und das Wasser ist zunehmend nicht mehr ganz so eisig. Es lohnt sich! 🙂

    Kordula & Rossi, 11.03.2020

  • Masters Schwimmen Dachau am 1./2. Februar 2020

    Masters Schwimmen Dachau am 1./2. Februar 2020: Meldeschluss ist Freitag der 24. Januar! Zur Ausschreibung

  • 3 MUC Triathlon Oberschleißheim – August 2019

    Erlebnis-Bericht von Steffi Teske

     

    Dass Exathlon nicht nur schwimmen, sondern auch Rad fahren und laufen kann, wurde am 24. und 25.08.19 beim 3 MUC Triathlon an der Regattastrecke in Oberschleißheim mal wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Bei besten Wettkampfbedingungen und unter der Schirmherrschaft von Vereinschef Alexander Fricke, der selbst über die Volksdistanz am Start war, wagten sich Anika, Stefanie und Rainer allein auf die olympische Triathlonstrecke, während das berüchtigte Team Ost bestehend aus Diana, Rita und Steffi sich in der Staffel an die olympische Ziellinie kämpfte. Jeder Schweißtropfen wurde belohnt, mit strahlenden Finishern und sogar einigen versilberten Stockerlplätzen: So wurde Anika 2. in ihrer Altersklasse und Diana, Rita und Steffi wurden 2. Damenstaffel. Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an Roswitha und Carsten für die tolle Unterstützung an der Strecke. Und ebenso soll hier die tolle Organisation nicht unerwähnt bleiben. Die Strecke war bestens präpariert, alle Helfer fröhlich und motiviert dabei, die Verpflegung top. Samt Handtuch als Finishergeschenk und stylischer Badekappe für den Schwimmpart kann man nur sagen, hier stimmen Preis und Leistung noch. Zudem bietet die Olympiaanlage, wenn auch etwas in die Jahre gekommen, beste logistische Voraussetzungen für alle Sportler und Zuschauer.

       

    Schee war’s wieder, im nächsten Jahr ist Exathlon natürlich erneut dabei!

    P.S. Es sollen an dieser Stelle die Outtakes der Veranstaltung nicht vorenthalten werden.
    Rainer war schon Tage vor dem Start heiß auf den Wettkampf und motiviert bis in die Zehnägel. Leider war er im Wasser so schnell, dass sein Transponder für die Zeitnahme nicht mithalten konnte und sich im kühlen Nass der Regattastrecke verabschiedete. Zum Glück bekam Rainer das Teil irgendwie zurück und konnte noch stolz die Ziellinie überqueren.

    Auch Rita hat dieses Jahr brilliert, und zwar neben dem Rad in der 4. triathletischen Disziplin dem Wechsel. Gab es letztes Jahr noch leichte Orientierungsschwierigkeiten bei der Platzierung des Rades und Übergabe an die Läuferin, so klappte dieses Jahr alles wie geölt.

    Steffi, die auf der Bahn 1 im Augustinum unter Kennern als Rakete im Wasser bekannt ist, konnte beim Schwimmen leider nicht ihr volles Potential ausschöpfen. Ein gewisser Rookie war nicht am Start, um Steffi vor sich her zu treiben, da er sich in ferneren Gewässern tummelte. Nächstes Jahr dann bitte, dann klappt es auch mit Platz 1 der Staffeln 😉

  • ÖTILLÖ SwimRun Weltmeisterschaft in Stockholm – 2. September 2019

    Bericht von Torsten Demke über sein SwimRun von insgesamt 75 km (10 km Swim, 65 km Run)

     

    Am letzten Montag, den 02.09.2019 fand die diesjährige ÖTILLÖ Weltmeisterschaft im Schärengarten von Stockholm statt. Bei diesem Wettkampf rennen und schwimmen die Zweier-Teams über 24 Inseln vom Fährhaus in Sandhamn zum Wärdshus auf Utö über eine Strecke von insgesamt 75 km. Die Schwimmabschnitte summieren sich auf ca. 10 km und die restlichen 65 km Trailrunning über Felsen, durch Wäldchen und über Wiesen, auf Trampelpfaden und wenige Schotter- oder Asphaltwege…

    Warum erzähle ich das Euch hier?

    Einige hatten ja diesen Sommer schon mitbekommen, das ich in meinem Schweden-Urlaub einen kleinen SwimRun (17km/3km) mitmachen wollte. Mein Trainingsplan (wenn man von Plan sprechen kann) war dementsprechend recht leicht und übersichtlich. Leider konnte ich dann am geplanten Rennen (wegen Dummheit?) nicht teilnehmen. Im Nachhinein war es wohl Vorsehung, denn in der letzten Augustwoche bekam ich einen verzweifelten Anruf meines Arbeitskollegen Stefan (TSV Jahn Freising). Er hatte sich zusammen mit seinem Bruder über die letzten zwei Jahre die Qualifikation für die diesjährige ÖTILLÖ WM erkämpft und jetzt fiel sein Bruder mit schweren Magen-Darm-Infekt aus. (Hätte ich wirklich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich mir wahrscheinlich eine Ausrede einfallen lassen.) So habe ich mich kurz mit der Familie beraten, Urlaub verlängert, Flüge gecheckt und schlussendlich Stefan als Teampartner zugesagt.

    Das Abenteuer begann somit am Sonntagmittag mit der Busfahrt vom Stockholmer Bahnhof zum Hotel nach Djurönäset. Eine schöne, weitläufige Anlage mit komfortablen Zimmern, einem großen Restaurant und einem Konferenzsaal, wo am späten Nachmittag die Wettkampfbesprechung stattfand.

    Spätestens hier wurde mir dann doch etwas mulmig. Die meisten anderen Teams sahen aus wie mehrfache Ironman-Finisher, ehemalige Olympioniken wurden vom Race-Director Michael und den ÖTIILÖ Erfindern begrüßt und es wurde nochmals ausführlich die Strecke beschrieben. Das Wetter sollte ganz angenehm werden –leichter Wind, kein Regen bei etwa 16-20° Luft- und 15-18° Wassertemperatur. Schwedischer Spätsommer eben.

    Nach einem Ausrüstungs- check (SwimRun-Neo, Schuhe, Paddles, Pullbuoy, Strümpfe, Notfallverband, Gels, Softbecher, Trillerpfeife) und einem ausgiebigen Abendessen (Pasta!!!!) ging es früh ins Bett.

     

    Der Wettkampftag begann bereits mit dem Wecken um 3:45 Uhr. Nach einem kleinen Frühstück (Kaffee – ja! Porridge – krieg ich so früh nicht runter) ging es um 4:45 Uhr zum Einschiffen auf die Fähre.

     

      

    Pünktlich um 6:00 Uhr fiel der Startschuss in Sandhamn und nach kurzen 1 km Einlaufen stürzten sich die insgesamt 160 Teams in die graue, wellige Ostsee.
    Die erste Schwimmstrecke war dann gleich auch die längste mit 1,7 km und es war gar nicht so leicht das Ziel (ein Stroboskop-Licht) und den Teampartner im Blick zu behalten. Während des Rennens darf man sich nie mehr als 10 m vom Partner entfernen und da wir (mangels ordentlicher Vorbereitung) auf eine Leine zwischen uns verzichteten, mussten wir uns hier beim ersten Schwimmen erstmal sortieren.

    Das Wasser war kalt (!) und spätestens nach der Hälfte der Strecke merkte ich schon, dass meine Schwimmperformance an diesem Tag nicht ganz so gut war. (Wir sollten im Training längere Strecken mit Paddles trainieren!)

     

    Das erste Laufen (wenn man es so nennen will) war dann auch eine Überraschung für uns beide. Es was mehr Schlittern und Balancieren über die vom Regen noch feuchten Felsen (ich hatte nach den ersten zwei Laufkilometern schon mehrere Stürze hinter mir mit blauen Flecken und blutenden Abschürfungen) mit abwechselnden Klettern über und Ducken unter rumliegenden Bäumen.

     

     

    Auf der ersten größeren Insel Runmarö (nach ca. 8 km) wurde es z.T. etwas einfacher zu laufen, aber insgesamt waren die Laufabschnitte technisch sehr herausfordernd. Auf den späteren Inseln kam als weiteres Problem hinzu, das einem hier oftmals die „Vorrausläufer“ fehlten, sodass man sich selber orientieren musste. Der offizielle Weg war nur mit bunten Plastikfähnchen in den Bäumen markiert, aber die muss man erstmal erspähen…Weiter ging es über kleinere und größere Inseln wie Mörto. Hin und wieder sah man ein paar typische schwedische Häuschen in Rot und Weiß. Noch seltener erblickte man ein paar freundliche Zuschauer.

     

    Nach etwa der Hälfte des Rennens kamen kurz hintereinander das „Pigswim“ mit 1,4 km und dann gleich nochmal 1 km Schwimmen. Das Wasser war kalt (!) und nach diesen beiden Abschnitten wollte mein Körper einfach nicht mehr warm werden. Zum Glück hatte die nächste Verpflegungsstation ein Rezept dagegen – sie gossen warmes Wasser vorn und hinten in meinen Neo und bald darauf konnte es weitergehen. Die Stunden vergingen, die Sonne schien mittlerweile, aber der Wind hatte aufgefrischt. Der letzte lange Laufabschnitt auf Ornö (ca. 20 km) brachte uns beide schließlich an unsere Grenze. Die Muskeln schmerzten, die Knie ebenfalls, mir war wieder kalt und meine Energie war langsam am Ende. Glücklicherweise ist man aber als Team unterwegs, sodass diese Tiefpunkte mit der Hilfe des Partners überwunden werden. Wir legten immer öfter eine Laufpause ein, aber waren gleichzeitig weit vor den Cut-Off Zeiten.

    Die letzten Inseln lagen vor uns im schönsten Sonnenschein.
    Die Ostsee hingegen war nachmittags viel rauer als noch am Morgen, sodass es ein ganz schöner Kampf wurde, beim Schwimmen auf dem richtigen Kurs zu bleiben.

       

     

    Das Wasser war immer noch kalt (!), aber zum Glück waren die Schwimmstrecken nur noch zwischen 20 m und 400 m lang. Die Inselchen waren wieder sehr schwierig zu überqueren, so dass wir auf Laufen verzichteten, sondern es eher ein strammer Spaziergang war.

     

    Endlich erreichten wir die Insel Utö und nach den letzten 3 km zwangen wir uns noch zu einem Zieleinlauf. Dort bekamen wir die verdiente Umarmung vom Race-Director Michael Lemmel. 12:29h!
    Weit weg von der Spitze und auch weit nach der geplanten Zielzeit, aber dieses Rennen war ganz anders als gedacht und auch viel schwieriger als die anderen weltweiten ÖTILLÖ Rennen. Ich war trotzdem glücklich! Wir genossen das Freibier (leider bald leer, müssen wir nächstes Mal schneller im Ziel sein) und das üppige Finisher-Grill-Menü. Der nächste Tag war die Hölle…

     

    Erkenntnisse:

    • lieber wieder Langdistanz Triathlon – da kann man den Kopf beim Laufen ausschalten,
    • nur noch Langarm-Neo,
    • mehr Einheiten mit Paddles,
    • SwimRun Partner suchen,
    • nicht an den Tag danach denken.
  • Sri Chinmoy Marathon-Schwimmen 26.4 km Zürisee – 5. August 2018

    Bericht von Ulrich Vormbrock über den Schwimm-Marathon von Rapperswil nach Zürich

    Wie alles begann

    Bereits im Herbst 2015 hatte ich mich um einen Startplatz beim Sri Chinmoy Marathon Swim beworben, wurde aber leider abgelehnt. Es gibt deutlich mehr Bewerber als freie Plätze – aber wer schon einmal abgelehnt wurde, hat bei einem erneuten Anlauf bessere Chancen. Im Anmeldeformular gibt es sogar ein Feld „Ich habe mich angemeldet aber keinen Platz erhalten, in den Jahren … „, welches mir in der Tat einige Bonus-Punkte bescherte: ich wurde dieses Mal angenommen!

    Parallel hatte ich mich auch für einen 27 km Wettkampf in Galizien angemeldet und bekam dort ebenfalls eine Zusage. Aber da ich ja früher einige Jahre in Thalwil direkt am Zürisee gelebt hatte und somit mit diesem See sehr viel Schönes verband, entschied ich mich für diesen Wettkampf und sagte in Nordspanien ab.

    Ich hatte von 2006 bis 2009 ein Apartment mit Seeblick – damals allerdings war ich noch kein passionierter Schwimmer, sondern war so gut wie jedes Wochenende mit dem Rennrad oder Mountainbike in den Alpen unterwegs. Damals wäre es für mich unvorstellbar gewesen, den See allein schwimmend in der Breite zu überqueren – geschweige denn eine Längsquerung hinzulegen. Es war für mich ein besonders schönes und aufregendes Erlebnis, nach gut 10 Jahren wieder an den Zürisee zurückzukehren und an meinem damaligen Wohnort vorbeizuschwimmen.

    Vorbereitung

    Der Sommer 2018 war ja von Trockenheit und viel Sonne geprägt – für den Landwirt ein Fluch – für mich hingegen ein großer Segen, denn Langstrecke trainiere ich am liebsten im Freiwasser – das Schwimmbad nutzte ich einmal pro Woche für Sprints und Tempowechsel.

    Von Juni bis Ende Juli trainierte ich meist zweimal pro Woche im südwestlich von München gelegenen Wörthsee. Nur einmal machte ich meine Schwimm-Einheit im Starnberger See – aber da ich in der Nähe von der Roseninsel einmal einem Dampfer gefährlich nah kam, entschied ich mich, nur noch im Wörthsee zu trainieren. Dort gibt es zum einen keine Ausflugs-Dampfer und keine Motor-Boote, zum anderen verhalten sich die Segelboot-Fahrer erfahrungsgemäß sehr rücksichtsvoll – dort kam es bei meinen zahlreichen Freiwasser-Einheiten (auch im Folgejahr darauf) nicht zu einem einzigen Beinah-Unfall oder Kollision.

    Um die Verpflegung zu trainieren, hatte ich stets meine Donut-Boje dabei: darin verstaute ich Energie-Riegel, BCAA-Amino-Kapseln und ein isotonisches Getränk – Maxim, was auch die Channel-Swimmer häufig nehmen. Ich vertrage dieses Pulver sehr gut und war auch einige Jahre zuvor bei meiner Bodensee-Dreiländerquerung sehr gut damit gefahren.

    Meine Schwimm-Einheiten beliefen sich zwischen 8 und 15 km. Zunächst umrundete ich den See – startend am Kiosko in Steinebach – im Uhrzeigersinn – das macht schonmal ca. 9 km. Je nach Kondition legte ich noch einige Kilometer drauf – schwamm z.B. nochmal 3 km längs des Ufers und wieder 3 km zurück. Der Flow stellte sich meist sehr schnell ein – und der Vibrations-Alarm meiner Triathlon-Uhr erinnerte mich alle 30 Minuten daran, meine Speicher wieder aufzufüllen. Erstaunlich, wie schnell diese 30 Minuten vergingen, und wie schnell plötzlich 3 oder 4 Stunden um waren! Übrigens tat ich eine andere Triathlon-Uhr in die Boje, um die exakte Kilometerzahl zu wissen – und das war auch gut so: während beispielsweise meine Uhr am Handgelenk wegen des Signal-Verlustes während der Unterwasser-Phase die Strecke nur interpolieren konnte und in der Regel viel zu viele Kilometer (z.B. 12 statt der realen 10.5) anzeigte, war die andere Uhr in der Boje wesentlich realistischer und bescherte mir ab und zu eine gewisse Ernüchterung bezüglich meiner Schwimm-Geschwindigkeit! Aber ich wollte ehrliches Feedback haben und nicht irgendwelche geschönten Paces präsentiert bekommen – denn schließlich möchte ich nicht beim Wettkampf selbst zum ersten Mal die große Ernüchterung erleben!

        

    Im Gegensatz zu meiner Bodensee-Dreiländerquerung im Sommer 2015 wollte ich nicht den Fehler machen, zu wenig für den Wettkampf zu trainieren. Meine Faustregel lautete dieses Mal: das was ich im Wettkampf an Kilometern schwimmen werde, müssen ungefähr auch als Wochen-Kilometer trainiert werden – somit achtete ich darauf, pro Woche insgesamt ca. 26-30 km zu schwimmen.

    Hier übrigens mein GPS-Track vom 13. Juli 2018 – es waren genau 15.5 km – man sieht sehr schön, wie glatt die Linien dargestellt sind – eben weil die Uhr sich in der Boje befand und daher kontinuierlich Satelliten-Verbindung hatte!

    Logistik und Organisation

    Der Veranstalter des Sri Chinmoy Marathon Swims stellte gegen Aufpreis von CHF 270 ein Begleitboot plus Skipper zur Verfügung – für meine Begriffe ein absolut fairer Preis. Allerdings benötigte ich zusätzlich einen Helfer, der es sich zur Aufgabe machen würde, mich während der Verpflegungs-Stopps zu „füttern“ und zudem mein Schwimmen per Foto und Video zu dokumentieren. Da ich niemanden aus dem Verein fragen wollte (alleine schon wegen der Anfahrt), inserierte ich im Zürcher alternativen Szene-Magazin Ron Orp – gegen Bezahlung sollte mich jemand einen ganzen Tag lang begleiten und nach einem Briefing die anfallenden Aufgaben selbstständig erledigen. Die Resonanz auf meine Annonce war überwältigend – damit hatte ich (vor allem in der wohlhabenden Schweiz) partout nicht gerechnet. Quasi im Stunden-Takt trudelten Bewerbungs-Mails bei mir ein – und recht schnell entschied ich mich für einen jungen Mann namens Jiri, der sich nicht nur als Fotograf und Filmer positionierte, sondern auch als Langstrecken-Schwimmer.

    Jetzt stellte sich mir nur noch die Frage, wie ich meine Ernährung während der 10 oder mehr Stunden Schwimmen optimieren konnte. Über Facebook bekam ich Kontakt zu Bernhard, einem Apotheker aus Roth. Bernhard hat bereits eine Extrem-Schwimmerin ernährungstechnisch betreut – und ich persönlich war mehr als überrascht, als ich mit ihm telefonierte, und Bernhard mir freigiebig wertvolle Ernährungs-Infos preisgab! Es waren neutrale Infos, d.h. Bernhard wollte keine Produkte aus seiner Apotheke verkaufen. Stattdessen sagte er mir, dass ich mich mit BCAA, Magnesium, Arginin etc. eindecken sollte sowie mit MCT – das sind mittelkettige Fettsäuren – letztere habe ich allerdings während meines Trainings nicht vertragen, daher strich ich sie aus meinem „Speiseplan“, welcher am Big Day folgendermaßen aussah:

    Übrigens habe ich während der letzten 7 Tage vor dem Big Day meine Ernährung angepasst, und zwar folgendermaßen:

    • jeden Abend ein Teller Nudeln (füllt die Kohlenhydrat-Speicher) und
    • jeden Tag ein Glas Rote-Beete-Saft mit 6g Arginin (erweitert die Gefäße und fördert die Regeneration).

     

    Ich hatte ja drei Jahre zuvor während meiner Bodensee-Dreiländerquerung enorme Schmerzen in meiner linken Schulter, so dass ich ab der zweiten Streckenhälfte Schmerzmittel einwarf, was aber auch nicht besonders half. Sozusagen als Prophylaxe liess ich einige Mal von einen Physiotherapeuten meine beiden Schultern behandeln. Und – wie wir später noch sehen werden – hatte ich während des gesamten Schwimmens keine Anzeichen von Schulterschmerzen und konnte sogar am Tag darauf wieder schwimmen! Für mich eine absolut lohnenswerte Aktion, mich auf die Liege des Masseurs zu legen!

    Anreise

    Am Freitag fuhr ich mit dem ICE-Bus von München nach Zürich, von dort aus weiter mit dem Zug nach Rapperswil. Während der schönen Zugfahrt entlang der sog. Goldküste des Zürisees wurde mir erst einmal bewußt, welche Strecke ich am übernächsten Tag zu schwimmen gedachte. Ich übernachtete in einem Hotel in Rapperswil, von welche ich gerade einmal 5 Minuten Fußweg zum Seebad Rapperswil hatte – denn genau dort sollte der Schwimmstart erfolgen.

    Abends machte ich einen Spaziergang und schaute mir das Seebad von der Burg oberhalb an (s. erstes Foto) und genehmigte mir anschließend italienische Pasta zwecks Carboloading.

       

    Vorbereitung und Briefing

    Am Samstagvormittag fuhr ich zum Zürcher Hauptbahnhof und traf mich dort mit Jiri, den ich ja über Ron Orp als Unterstützer und Fotograf gewinnen konnte. Jiri kommt aus der Tschechei und lebt seit einigen Jahren in Zürich, spricht im Gegensatz zu mir sogar sehr gut Schwiitzerdüütsch! Wir gingen in ein Café und lernten uns erst einmal kennen, hielten etwas Smalltalk, bevor es dann in Media Res ging: ich überreichte Jiri einen selbstgemachten Leitfaden, den ich in Folie eingeschweißt hatte, denn so etwas hält sich auf dem Boot wesentlich besser als nur ein Stück Papier. Auf dem Dokument stand neben der o.g. Getränkezubereitung auch, dass Jiri mich im Fall eines mentalen Einbruchs motivieren und mich so gut wie möglich von einem Wettkampf-Abbruch abhalten sollte. Auch gab ich ihm zu verstehen, dass ich unterwegs keine Zeiten erfahren wollte (das hob ich mir für meinen Finish auf) und überhaupt, dass er niemals Feedback geben sollte so nach dem Motto „du siehst aber fertig und mitgenommen aus!“ – dass Fotos während eines Wettkampfes nicht unbedingt tauglich für Dating-Apps sind, versteht sich meiner Ansicht von selbst. Wir redeten ca. eine Stunde miteinander und verabredeten uns für den nächsten Morgen: Jiri würde mit der ersten S-Bahn nach Rapperswil kommen und mir von unterwegs eine WhatsApp-Nachricht schicken, damit ich mir keine Sorgen machte.

    Als ich mit der Bahn wieder zurück nach Rapperswil fuhr, sprach mich ein etwa gleichaltriger Mann namens Amalendu an: Amalendu kommt aus Australien und wollte von mir wissen, wie man zur Wettkampfbesprechung des Sri Chinmoy Marathon Swims kommt – und voilà: mit seiner Intuition, mich anzusprechen, lag er goldrichtig! Im Zug unterhielten wir uns ausführlich – und Amalendu sagte mir, dass er in einer Zweier-Staffel schwimmt – „you must be very fit“ war seine Reaktion darauf, dass ich als 54-jähriger die gewaltige Strecke alleine zu schwimmen gedachte.

    Mittags kaufte ich noch ein Sixpack Stilles Wasser, damit Jiri mir unterwegs meine Getränke mit Maxim und weiteren Zutaten zubereiten konnte – insgesamt ist solch ein großes Schwimmen nicht nur eine athletische, sondern auch eine logistische Herausforderung!

    Am Samstagnachmittag fand die Registrierung und das Briefing im Gebäude der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) statt. Dort traf ich übrigens Amalendu wieder – wie auf dem Foto unten unschwer zu erkennen, ist Amalendu ein sehr lebenslustiger und heiterer Mensch!

    Bei der Registrierung wurde jeder Teilnehmer fotografiert (und zwar für die Urkunde, wie sich später herausstellte), und anschließend fand in einem Hörsaal das Briefing mittels Beamer statt. Uns wurden einige markante Punkte (Stäfa – Meilen – Goldbach – etc.) aus der Wasser-Perspektive gezeigt, damit wir am nächsten Tag abschätzen konnten, wo wir uns in etwa befanden. Auch wurde darauf hingewiesen, dass wir möglicherweise bei Meilen (da gibt es eine Fährverbindung nach Horgen) kurz stoppen müssten, wenn die Fähre in der Nähe sein sollte. Zusätzlich klärte man uns auf, dass wir uns unterwegs nicht erschrecken sollten, wenn das Begleit-Motorboot mal kurz vollspeed abrauscht und eine Runde dreht: dies sei wichtig, um den Motor zu schonen. In der Tat passierte dies übrigens während meines Schwimmens ca. drei bis viermal.

    Hier ein Foto von mir nach dem Briefing in Rapperswil: sowohl dort, als auch am nächsten Tag bei der Siegerehrung trug ich das Trikot von Exathlon München, um meinen frechen Verein würdig zu vertreten 🙂

    Beim Briefing traf ich übrigens Katja aus Speyer wieder: wir hatten uns drei Monate zuvor bei einem Swim-Camp am österreichischen Fuschl-See kennengelernt. Im Gegensatz zu mir wollte sie von vorne herein nur die Hälfte der Strecke schwimmen und das Event eher als Erlebnis- und Genusstour erleben – durchaus auch eine gute Option, wie ich fand! Abends traf ich mich mit Katja zum Essen und ging bereits um 22h ins Bett, da der Schwimm-Start am nächsten Morgen bereits um 7h erfolgte.

    Der Big Day

    Die Nacht über habe ich nicht besonders gut geschlafen – zu groß war die Aufregung vor diesem Marathon Schwimmen – und außerdem beunruhigte mich immer wieder der Gedanke, bei der Logistik nicht doch irgendetwas vergessen zu haben. Ich stand um 5h30 auf und schlenderte mit Gepäck und dem Sixpack Wasser zum Seebad. Gott-sei-Dank war es nur ein kurzer Fußweg von 5 Minuten – denn sonst wären mir wegen des Wassertransports die Arme abgefallen.

    Es war sogar früh morgens angenehm warm, und während der Dämmerung wirkte der See sehr schön und sogar etwas mysthisch. Wie gut, dass das Wetter mitgespielt hatte, denn bei Regen und Kälte wäre ich nicht so motiviert gewesen. Eine friedliche Atmosphäre lag in der Luft.

       

    Im Seebad waren schon recht viele Leute – da jeder entweder aufgeregt oder müde war, herrschte eine sehr ruhige, aber friedliche Atmosphäre!
    Das „Badi“ – wie man auf schweizerdeutsch sagt – bestand aus einem Holz-Ponton. Was ich nicht wusste: der rechte Teil ist für Frauen, der linke Teil für Männer reserviert. Als ich mich zunächst im rechten Teil aufhielt, wurde ich höflich, aber bestimmt von einer Organisatorin darauf hingewiesen, dass ich doch bitte in den anderen Bereich wechseln sollte. Obwohl ich von Natur aus frech bin, leistete ich der Anweisung Folge 🙂

    Auf dem Ponton gab es eine Leiter zum oberen Bereich – ich wollte wissen, ob dort oben auch etwas stattfand und kletterte hoch. Zu meinem Erstaunen sah ich nicht wenige Athleten dort auf dem Boden sitzend meditieren, vor sich jeweils ein Foto vom spirituellen Lehrer Sri Chinmoy, auf den dieses Schwimmen zurückgeht. Ich hatte übrigens 8 Monate zuvor ein Meditations-Wochenendseminar in München besucht und kannte die Philosophie, die sich hinter der Lehre von Sri Chinmoy verbirgt: kurz zusammengefasst geht es darum, durch inneren Frieden und durch die Verbindung zu Gott (hier mit „Supreme“ bezeichnet) sportliche Höchstleistung zu erzielen – Stichwort: Self-Transcendance!

    Kurze Zeit später traf auch Jiri ein, und wir frühstückten erst einmal – obwohl: wegen meiner Aufregung bekam ich nicht viel herunter. Der Veranstalter stellte Gebäck, Obst, Tee und Kaffee zwecks Stärkung zur Verfügung.

    Bald kam auch das Begleitboot und machte an einem Holzponton fest – ein nettes junges Schweizer Pärchen (leider weiß ich deren Vornamen nicht mehr – schade!) würde mich jetzt über Stunden begleiten. Der junge Skipper (seine Freundin saß neben ihm) meinte, dass sie letztes Jahr einen Extrem-Schwimmer begleitet hatten, der das Ganze in ca. sieben Stunden gefinished hatte. „Damit kann ich leider nicht dienen“, gab ich ihm zur Antwort, denn ich rechnete mit ca. 10 Stunden – abhängig natürlich auch von Wind und Wellen. Während ich mich in meine Schwimm-Montur begab und mich mit Vaseline einschmieren ließ, bepackte Jiri das Begleitboot mit dem gesamten Proviant und befestigte meine Startnummer „M75“ am Boot, so dass man von außen gut sehen konnte, wer sich wo befand.

    Während der letzten 20 Minuten vor dem Start kam dann doch leichte Hektik auf – übrigens auch bei mir: als ich wenige Minuten vor dem Start noch einmal zum Begleitboot ging um mich zu vergewissern, dass das gesamte Proviant vorhanden war, stellte ich plötzlich fest, dass die große schwarze Dose mit dem Maxim-Pulver fehlte – ich rannte schnell zu dem Platz, wo ich mich umgezogen hatte und sah die Dose dort mutterseelenalleine stehen – wie gut, dass ich dies noch rechtzeitig bemerkt hatte, denn ohne dem Pulver wäre sehr wahrscheinlich das Rennen gelaufen gewesen. Anschließend zog ich mir noch ein flüssiges Gel rein und spülte mit Wasser nach. Dann begab ich mich – wie alle anderen auch – ins Wasser und platzierte mich hinter der Trennlinie – rot-weiße Holzbalken – ganz rechts, um nicht zu intensiven Kontakt mit anderen Schwimmern zu haben – denn gerade beim Start versuche ich, Fußkontakt mit anderen schnelleren Schwimmern zu vermeiden.

    Auf dem Foto unten bin ich der Schwimmer ganz rechts mit der roten Badekappe. Man sieht sehr schön, dass die meisten Schwimmer sich „strategisch günstig“ links eingereiht haben. Aber mal ganz ehrlich: bei einer Strecke von knapp 30 km sind diese 10m Unterschied mehr als irrelevant, oder?

    Punkt 7h erfolgte der Countdown „ten – nine – eight ….“ und bei „zero“ ertönte die Sirene. Jetzt galt es zunächst einmal, das Begleitboot zu finden. In manchen Blogartikeln hatte ich zuvor gelesen, dass dies nicht immer leicht sei, und so mancher Schwimmer 10 Minuten oder mehr quasi ziellos umher schwimmen musste, um sein Boot zu finden. Bei mir ging es erstaunlich gut, und nach knapp 5 Minuten hatte ich mein Boot auf meiner linken Seite und konnte mich voll und ganz auf’s Schwimmen und auf meinen Rhythmus konzentrieren.

    Die ersten 6 Kilometer bis Stäfa verliefen sehr gut – ich kam recht schnell in meinen Flow – und die 30 Minuten bis zum jeweiligen Verpflegungs-Stop vergingen wie im Flug. Das Schwimmen hatte – fast schon gemäß der Philosophie des Meisters Sri Chinmoy – etwas meditatives. Da ich ja beim Schwimmen stets zur linken Seite atme, hatte ich über längere Zeit einen sehr schönen Ausblick auf den 1096 m hohen Etzel oberhalb von Pfäffikon. Als ich damals noch in der Schweiz lebte, hatte ich diesen Hausberg mehrere Male mit dem MTB oder Rennrad bezwungen und mir auf der Passhöhe stets ein Weißbier gegönnt. Es war sehr schön, diese Erinnerungen während meines Schwimmens gedanklich Revue passieren zu lassen. Auf dem zweiten Foto (aufgenommen um 7h40) kann man sogar ganz links hinten den Ort Pfäffikon und den Hausberg Etzel erkennen.

       

    Bei Stäfa macht der See einen leichten Knick nach rechts – und plötzlich (d.h. gegen ca. 9h morgens) kamen Wind und Wellen auf. Und zwar von vorne, so dass es zunächst einmal mit meinem Flow vorbei war. Surprise, surprise! Ich war ein Rookie und hatte von nichts eine Ahnung! Ich musste an diesem Tag fast leidvoll erfahren, dass Freiwasser-Schwimmen weder ein Wunschkonzert, noch ein Kindergeburtstag ist! Wellen klatschten mir ins Gesicht – und es war schwer, den Rhythmus beizubehalten. Außerdem schwappte mir beim Einatmen immer wieder eine ordentliche Portion Seewasser in den Mund – wie gut nur, dass das Seewasser sauber, rein und nicht salzig (wie das ja im Ärmelkanal der Fall ist) war! Der See mit den Bergen links und rechts glich wie ein Windkanal. Mit solch einem Wind hatte ich frühestens ab 14h oder 15h gerechnet – aber nicht so früh! Jetzt galt es, mentale Stärke an den Tag zu legen und nicht zu resignieren. Ich hegte immer wieder die Hoffnung, dass der Wind sich irgendwann einmal legen würde – das tat er auch – aber erst, als ich mit meinem Schwimmen längst fertig war. Mental habe ich mir mit folgendem inneren Dialog beholfen: „du hast ausreichend im Wörthsee trainiert und hast sogar die ganze Zeit eine Boje mit Proviant hinter dir her geschleppt – auch musstest du immer wieder gegen Kabbelwellen kämpfen. Jetzt bist du frei – ohne Boje – und es ist DEIN Tag – jetzt mach‘ das Beste draus!“. Dieser innere Monolog half mir sehr, mich am Riemen zu reißen und bis zum Schluss durchzuschwimmen.

    In Meilen – also dort, wo die Fähre nach Horgen geht – hatte ich ungefähr die Hälfte der Strecke geschafft! Es gab ein Cut-off: wer Meilen nicht bis 13h30 erreichte (also nach 6.5h bei 14 km), wurde aus dem Rennen genommen – naja, in Betracht meines geringen Körpergewichts wäre das sicherlich kein Problem gewesen, mich aus dem Wasser zu ziehen 🙂  Ich erreichte Horgen (2. Foto) genau um 12h18 – also war ich noch gut im Rennen.

       

    Im Nachhinein kann ich kaum sagen, was alles nach Meilen passierte – trotz Wind und Wellen war ich in meinem Flow und genoß den See und das atemberaubende Panorama! Die Zeit schien irgendwie stillzustehen. Da ich ja meinem Begleiter Jiri am Vortag ausdrücklich gesagt hatte, er solle mir keine Zeiten durchgeben, hatte ich absolut kein Zeitgefühl – konnte nur ungefähr und Pi mal Daumen anhand des Sonnenstandes abschätzen, ob nun Vormittag, Mittag oder Nachmittag war. Wie gesagt, die 30 Minuten bis zur nächsten Pause vergingen jeweils wie im Fluge! Nur einmal sah ich, wie auch Jiri ins Wasser sprang und knapp einen Kilometer mit schwamm. Was einem beim Langstrecken-Schwimmen durch den Kopf geht, kann man nicht beschreiben – man verliert quasi das Zeitgefühl – und man muss es selbst erlebt haben, um es nachvollziehen zu können. Freiwasserschwimmen ist mit dem Kachelzählen im Schwimmbad absolut nicht zu vergleichen! Bei längeren Strecken greife ich übrigens immer wieder bestimmte Aspekte meiner Schwimmtechnik auf und schaue beispielsweise, wie ich mit den Händen eintauche (in welchem Winkel, ob eher mittig oder außen), ob mein Beinschlag ok ist (also Vermeiden des sog. Scherenbeinschlags), usw.

    Auf dem Begleitboot herrschte gute Stimmung – diese wurde noch besser, als das Ziel bereits in Sichtweise war. „Man sieht es Ziel vom Boot uss“ rief der Skipper in seiner schweizerdeutschen Mundart – und dann rief die Crew mir zu „go, Uli, go – go Uli go!“. Und plötzlich ertönte von Bord aus durch einen Brüllwürfel der Song „Eye of the Tiger“ von Survivor: dieses kraftvolle Lied motivierte mich, noch mal alles zu geben und den Pace zu beschleunigen!

       

    Irgendwann war mein Ziel in greifbarer Nähe. Es kamen Wolken auf, der Wind wurde stärker, und ich begann sogar etwas zu frieren. Jiri sagte mir später im Ziel, das man mir mein Frieren angemerkt hätte, und er ganz bewusst gen Schluss die Abstände zwischen den Verpflegungspausen erhöht habe, damit ich schneller ans Ziel kam! Auf dem Bild unten sieht man meine letzten Meter vor dem Ziel – ganz rechts das Badi Tiefenbrunnen – der Ausstieg war genau dort, wo die Ballons hingen.

    Endlich – nach 10h 52min erreichte ich die Treppe und hatte etwas Schwierigkeiten, wieder in die Vertikale zu kommen. Gleich hielt auch der Fotograf mit seiner Kamera auf mich drauf und machte einige Fotos – übrigens war es derselbe Fotograf, der mich auch einen Tag zuvor bei der Registrierung abgelichtet hatte – es war ein gemütlicher und sympathischer Schweizer, der mir erst einmal zuwarf „lass dir ruhig Zeit, deine Zeit mit deiner Uhr zu stoppen“, bevor er mich fotografierte.

    Als ich dann so stand, kam auch gleich eine Moderatorin mit Mikrofon und wollte wissen, wie es mir beim Schwimmen ergangen war. Ooops – da wurde ich mal wieder ins kalte Wasser geworfen, nachdem ich das relativ warme Wasser gerade verlassen hatte. Das ca. 5 Minuten lange Interview wurde auch noch live per Lautsprecher im Schwimmbad übertragen. Ich fühlte mich ein wenig überrumpelt, und so sagte ich, dass das Schwimmen vor einer so schönen und atemberaubenden Kulisse einfach einzigartig war, ich aber sehr mit den Kabbelwellen zu kämpfen hatte. Ich fügte hinzu, dass dieses Schwimmen wegen der Wellen härter war als meine Bodensee-Dreiländerquerung drei Jahre zuvor, ich aber für den Zürisee-Schwumm besser vorbereitet war. Und da ich den Spirit von Sri Chinmoy nicht ganz unerwähnt lassen wollte (zudem ich ja auch täglich meditiere), betonte ich, dass ich meine Kraft während des Schwimmens auch aus dem „Supreme“ (Synonym für Gott oder das Allerhöchste oder was auch immer man sich unter einer Gottheit vorstellt) gezogen habe – ob das so stimmt? Zumindest bin ich sicher, dass meine Gels und Energie-Riegel ein Duracell-Häschen aus mir gemacht haben.

      

    Das Badi (also Freibad) wirkte wie ein Volksfest – es gab zudem einige Stände, an denen vegetarische Gerichte serviert wurden. Diese Gerichte waren sehr gut gewürzt und liebevoll zubereitet. Man muss dazu sagen, dass alle Menschen, die der Lehre von Sri Chinmoy folgen, grundsätzlich Vegetarier sind.

    Zwecks Stärkung holte ich mir eine Ration und begann zu mampfen. Plötzlich kam eine junge Frau – Sandra Hornig – zu mir und meinte, dass sie bei meinem Interview mitbekommen habe, dass ich die Bodensee-Dreiländerquerung gemacht hätte. Sie wollte einige Details über dieses Schwimmen wissen, zumal sie in absehbarer Zeit ebenfalls die Dreiländerquerung schwimmen wollte. Abschließend meinte sie zu mir, dass sie ein klein wenig früher als ich im Ziel war – was für ein sympathisches Understatement: während ich fast 11h für die knapp 30 km gebraucht hatte, machte sie das Rennen in 7h 39min. Und nicht nur das: ein Jahr später finishte sie beim gleichen Sri Chinmoy Marathon Swim in 6h 51min. D.h. roundabout ist sie durchgängig mit ca. 4 km/h bzw. mit einem Pace von 1:30 auf 100m geschwommen! Für mich als Rookie (= habe ja erst mit 49 Jahren so richtig mit dem Schwimmen begonnen) absolut übermenschlich! Für mich persönlich ist es ein Balanceakt, einerseits das Meiste aus meinen persönlichen Gegebenheiten (sprich: Alter, Schwimm-Historie, Körperbau, etc.), herauszuholen, andererseits aber auch eine gewisse Gelassenheit zu leben, bei der es eben nicht mehr darum geht, die Grenzen bis ins Unermessliche zu pushen, sondern einfach mit dem Erreichten zufrieden zu sein! Und das war ich auch: für mich war wichtig, diese lange Distanz überhaupt und ohne mentalen Einbruch durchzuhalten!

    Am Ziel traf ich übrigens Amalendu wieder – nach wie vor so lebenslustig wie am Tag zuvor. Auch er hatte das Schwimmen in seiner Zweier-Staffel erfolgreich gemeistert!

    Katja aus Speyer traf ich natürlich auch – sie war ja schon einige Stunden vorher im Badi, weil sie nach ca. 13 km das Schwimmen abgebrochen hatte. Sie meinte, dass sie mich von ihrem Begleitboot aus beobachtet hatte und feststellte, dass ich offenbar nicht geradlinig, sondern eher zickzack-förmig geschwommen sei. Naja, so konnte ich mir meine Schwimmzeiten im Nachhinein schön rechnen 🙂 Katja erwähnte, dass sie inzwischen mit einer spirituellen Frau vom Sri Chinmoy Team gesprochen hatte: diese Frau muss gesagt haben, dass der Zürisee eine sehr positive und friedliche Energie habe, und es bis dato bei all den alljährlich stattfindenden Marathon-Swims noch zu keinem Unfall oder Zwischenfall gekommen sei. Ich persönlich kann nur sagen, dass dieser See auf mich sehr angenehm und beruhigend, aber auch kraftspendend wirkt – mir tat der See einfach gut, als ich drei Jahre lang in Thalwil gelebt hatte.

    Am späten Nachmittag erfolgte die obligatorische Siegerehrung. Ich selber schaffte es mit AK50 Neo auf den 3. Platz – obwohl ich fairerweise zugeben muss, dass es in dieser Kategorie kaum Konkurrenz gab. Ich bin ja trotzdem ohne Neo geschwommen, konnte oder durfte aber kurzfristig die Kategorie nicht wechseln. Der Veranstalter schrieb uns eine Woche zuvor per Mail, dass alle Neo-Schwimmer die Möglichkeit hätten, während des Schwimmen den Neo auszuziehen und ohne Neo weiterzuschwimmen. Das kam für mich allerdings nicht in Frage: entweder ganz ohne oder ganz mit Neo!

      

    Insgesamt war ich mit dem Wettkampf sehr zufrieden! Ich hätte mir nur eine „bessere“ Zeit (d.h. 10h oder darunter) gewünscht – andererseits sind die Zeiten beim Freiwasserschwimmen nicht so verläßlich wie beim Beckenschwimmen: Wind, Wellen, Strömungen können einem immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Übrigens hatte der Veranstalter bei der Anmeldung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wir bei der Zeit-Schätzung mit 30 statt mit 26 km rechnen müssten. Dies hat sich mehr als bewahrheitet!

    Die anfangs befürchteten Schulterschmerzen blieben aus! Ich konnte sogar am Folgetag (den ich in Zürich verbrachte) wieder schwimmen – wenn auch nur eine recht kurze Strecke zwecks Abkühlung und Relaxen.

    Lessons learned

    Freiwasser-Schwimmen kann seine Tücken haben. Daher unbedingt auch längere Strecken bei nicht optimalen Wetterbedingungen (Wind) trainieren und nicht auf den Moment warten, wo der See spiegelglatt ist. Gerade auch das Schwimmen mit Kabbelwellen will trainiert sein!

    Video

    Abschließend noch ein YouTube-Video von meinem Schwimmen.

  • Genfer-See-Überquerung (13 km) – 13. Juli 2019

    Bericht von Ulrich Vormbrock über die See-Überquerung von Lausanne nach Evian-les-Bains

    Vorbereitung

    Nachdem ich letztes Jahr den 26.4 km langen Zürichsee-Marathon-Swim bewältigt hatte, wollte ich dieses Jahr mal etwas „Kleineres“ schwimmen – auch alleine schon, um mir meinen Spitznamen „Rookie“ nicht zu gefährden 🙂

    Auf Facebook sah ich immer wieder Beiträge von der LSGA (Lake Geneva Swimming Association), die mich sehr inspirierten. Da gab es neben der „Gewalttour“ von 70 km (Montreux -> Genf) auch eine für durchschnittliche Langstreckenschwimmer machbare See-Überquerung von 13 km.

    Wer mehr über die LSGA und über die beiden Challenges (Classic versus Signature) erfahren möchte – hier die Webseite: https://www.lakegenevaswimmingassociation.com.

    Das Schwimmen kostete pro Teilnehmer 290 Euro – inbegriffen waren die administrativen Kosten (Übertritt von der Schweiz nach Frankreich), Begleitboote in Form von Kajaks, Wasserwacht, Gepäcktransport nach Frankreich, Finisher-Shirt und Medaille, Pasta-Party am Ziel und Rückfahrt mit der Fähre von Evian-les-Bains nach Lausanne.

    Trainiert habe ich – wie auch im Vorjahr – überwiegend im Wörthsee bei München. Meine Schwimm-Einheiten beliefen sich dabei zwischen 6 km und 12 km – zu Trainingszwecken hatte ich stets meine „Donut-Boje“ dabei, in welcher meine Verpflegung deponierte war. Sowohl ein isotonisches Getränk (Maxim), als auch Energie-Riegel und sogar BCAA-Aminos.

    Am Freitag, den 12. Juli nahm ich den Flieger von München nach Genf: kurz nach dem Start sah ich von oben zuerst die Regatta-Anlage von Oberschleißheim, wenige Minuten später auch den Wörthsee mit der markanten Mausinsel. Von oben sah der Wörthsee aus wie ein kleiner Weiher – und die ca. 9 km Umfang (ich habe ja in der Vergangenheit häufig den See schwimmend umrundet) kamen mir von oben plötzlich nichtig und fast schon lächerlich vor. Da ich ja zuvor sowohl in der Regatta-Anlage, als auch im Wörthsee trainiert hatte, gaben mir beide Seen eine Botschaft mit so nach dem Motto „hey, du hast gut und genug trainiert – jetzt mach das Beste draus!„. In Genf gelandet, fuhr ich gleich mit dem Zug weiter nach Lausanne. Dort war ich im Hotel Bellerive untergebracht und hatte sogar ein Zimmer mit Seeblick. Jeder Schwimmer bekam in diesem Hotel einen kleinen Preisnachlass.

    Beim Blick aus meinem Hotel-Fenster wurde mir – ehrlich gesagt – schon ein wenig mulmig in Anbetracht der Distanz, die ich zu schwimmen gedachte.

    Der Big Day

    Am nächsten Morgen machte ich mich nach dem Frühstück zu Fuß auf den Weg ins Seebad „Bellerive Plage“. Da das See-Ufer an vielen Stellen wegen Firmen- und Privatgrundstücken gesperrt ist, hatte ich mit der Orientierung einige Schwierigkeiten und erreichte leicht verspätet das Seebad. Dort angekommen, musste ich mich ca. 10 min anstellen, um mir meine Startunterlagen aushändigen zu lassen. Dort wurde auch überprüft, ob ich eine Schwimm-Boje dabei hatte – denn diese war für alle Schwimmer aus Sicherheitsgründen obligatorisch – und auch absolut sinnvoll, wie sich später zeigen wird. Das Gepäck durfte man auf einen Haufen werfen, nachdem man es mit einer Startnummer-Etikette versehen hat – dieses wurde dann per Boot nach Evian-les-Bains transportiert.

    Gestartet wurde in vier verschiedenen Gruppen, welche nach Zielzeiten gestaffelt waren – folgende Info bekamen wir vom Veranstalter:

    • Wave 1 For swimmers who will take between 6 and 7 hours
    • Wave 2 For swimmers who will take between 5 and 5:59 hours
    • Wave 3 For swimmers who will take between 3:31 and 4:59 hours
    • Wave 4 For swimmers who will take between 3 and 3:30 hours 

     

    Ich entschied mich für „Wave 3“ und lag auch mit meiner Einschätzung bezüglich Schwimmzeit goldrichtig. Jede Gruppe startete 30 Minuten zeitversetzt – mein Start war genau um 9h05.

        

    Da der Genfer-See an diesem Tag nur eine Wassertemperatur von 22 Grad hatte, entschied ich mich (wie über die Hälfte aller Athleten), mit Neo zu schwimmen – auch wenn ich in diesem Kostüm aussah wie ein Frosch oder Michelin-Männchen 🙂

    Um 9h05 ertönte der Startschuss, und wir von „Wave 3“ stürzten uns in die Fluten Richtung Frankreich.

    Am Anfang war es – wie bei den meisten Schwimm-Wettkämpfen üblich – recht eng. Vor allem ist es nicht schön, wenn man von einem Schwimmer links und rechts sozusagen in die „Zange genommen“ wird. Aber nach gut einem Kilometer war der Spuk vorbei, und ich kam schnell in meinen Flow.

    Angeführt wurde jede Gruppe durch mehrere Kajak-Fahrer – oder eigentlich müsste ich eher sagen: überwacht. Denn sehr schnell verlor ich die sogenannten Anführer-Kajaks aus meinem Sichtfeld, sah aber dafür immer wieder ein Kajak neben mir herfahren.

    Meine Gruppe dividierte sich recht schnell auseinander, und ich sah vor mir einen Pulk von Schwimmern davonschwimmen. Das erzeugte in mir etwas Unbehagen: „ich werde doch wohl hoffentlich nicht als Letzter in Frankreich eintrudeln oder sogar wegen des bestehenden Cut-Offs von 3h in der See-Mitte aus dem Rennen genommen werden!?“ – dachte ich immer wieder – verwarf aber dann diese Gedanken und fokussierte mich auf meine Schwimm-Technik und auf das traumhaft schöne Panorama!

    Da ich ja stets zur linken Seite einatme, eröffnete sich mir ein traumhaftes Panorama Richtung Montreux und Mont Blanc.

    War der See am Anfang noch quasi spiegelglatt, kamen nach ca. 3 km Wind und Wellen auf. Die Wellen kamen Gott-sei-Dank von hinten, aber hatten stellenweise sogar Schaumkronen, so dass ich beim Einatmen immer wieder Wasser schluckte und meine Technik korrigieren musste. Man wurde richtig durchgeschaukelt und hatte das Gefühl, im Meer statt im See zu schwimmen. Gott-sei-Dank neige ich nicht zu Seekrankheit.

    Wie gerne hätte ich unterwegs mit einer Action-Cam einige Aufnahmen gemacht – aber dazu hätte ich statt der Restube- die Donut-Boje mitbringen müssen, in welcher ich neben Verpflegung auch die Hardware hätte deponieren können.

    Meine gelbe Restube-Schwimmboje hob wegen des Rückenwindes immer wieder ab und stand senkrecht über mir. Wegen der Wellen hatte ich Schwierigkeiten mit dem Sichten und sah plötzlich keine Schwimmer oder Begleitboote mehr. Ich wusste nur noch die ungefähre Schwimm-Richtung. Manchmal stoppte ich, um genauer sichten zu können. Dabei kam plötzlich einmal ein Kajak-Fahrer vorbei und fragte mich auf Französisch, ob alles in Ordnung sei. Ich antwortete mit „bien-sûr“ und war erleichtert, dass ich im Wasser nicht ganz alleine war. Jetzt wurde mir auch klar, warum der Veranstalter so großen Wert auf die Bojen lag – denn ohne Bojen und nur mit farbiger Badekappe wäre es deutlich schwieriger gewesen, abgedriftete Schwimmer ausfindig zu machen.

    Sicherheit wurde bei diesem Event ohnehin groß geschrieben: es gab unterwegs nicht annähernd irgendwelchen Kontakt mit Dampfern, Motor- oder Segelbooten. Erst nach dem Cut-Off füllte sich der See-Abschnitt wieder mit Booten.

    Während ich schwamm, trudelten einige motivierende WhatsApp-Nachrichten ein – die ich natürlich erst am Ziel lesen konnte, mir aber sehr gut taten – es war sehr schön zu wissen, dass einige Vereinsmitglieder hinter mir bzw. meinem Vorhaben standen:

    Der Veranstalter wies darauf hin, dass es ca. alle 2.5 km einen Verpflegungsstopp geben würde. Wegen der schwierigen Orientierung bekam ich nur den ersten und letzten Verpflegungsstopp mit – dort bekam man von einem Schlauchboot Wasser und Gels aus Tuben heruntergereicht. Die Gels erwiesen sich als wahre Lebenselixiere: sie waren sehr gut verträglich und bescherten nicht nur mir (wie ich später am Ziel von anderen erfuhr) einen regelrechten Energie-Boost.

    Die meisten Schwimmer hatten eine Donut-Boje dabei und waren daher von den vorgegebenen Verpflegungs-Stopps unabhängig. Ich würde es das nächste Mal genauso machen!

    Beim letzten Verpflegungs-Stopp schaute ich auf die Uhr und sah, dass schon 3h 20min vergangen waren. Die Ziellinie sah bereits zum Greifen nah aus – mein Gefühl sagte mir, dass ich in spätestens 20 Minuten am Ziel sein würde. Erst später realisierte ich, dass ich mit meiner Schätzung sehr daneben lag: durch die See-Breite von 13 km (versus 2 km beim Starnberger-See-Schwimmen) verschoben sich – psychologisch gesehen – die Verhältnisse – sprich: 3 km wirkten auf mich wie nur 1 km.

    Kurz nach der letzten Verpflegungspause fragte ich einen Kajak-Fahrer, wo ich genau hin musste. Ich sah (wegen meiner Kurzsichtigkeit) geradeaus eine gelbe Konstruktion, die wie ein Ziel-Tor aussah. Der Kajak-Fahrer allerdings verwies mich einige hundert Meter nach links, wo einige Sonnenschirme zu sehen war. Ich dachte mir „ach so, da also findet die große Finisher-Fiesta statt“ und schwamm in die besagte Richtung – merkte aber später, dass ich doch mit meiner ursprünglichen Einschätzung richtig lag und steuerte nunmehr das gelbe Ziel-Tor von der linken Seite an.

    Auf dem Foto unten bin ich übrigens der zweite hinten, der sich gerade von dem Druck seiner Schwimmbrille befreit.

    Am Ziel wurde übrigens nach der Startnummer gefragt – und die Schwimmzeit wurde händisch in eine Liste eingetragen. Dies hatte für mich einen gewissen Charme – denn oftmals sieht man am Ziel die unübersehbare Digitaluhr laufen, und die Zeit wird mittels Transponder-Chip in Echtzeit übertragen.

    Ich selber hatte eine Zeit von 4h 24min – leider habe ich mein Ziel von ca. 4h nicht erreicht – war aber wegen der schwierigen Orientierung und der Wellen nicht allzu sehr enttäuscht. Insgesamt lag ich aber mit Platz 31 von 78 Schwimmern mit meiner Zeit im guten Mittelfeld – d.h. meine anfängliche Befürchtung, wegen Langsamkeit aus dem Rennen genommen zu werden, erwies sich als unbegründet! Generell tut man sich beim Solo-Swim (wo ein Begleitboot kontinuierlich neben einem her fährt) wesentlich leichter mit der Orientierung als bei einem Schwimmen in größerer Gruppe, welche sich auch noch nach wenigen Kilometern auseinander dividiert.

    Am Ziel gab es die besagte Pasta-Party und auch die Sieger-Ehrung. Das Schöne, was mir ganz besonders gut gefallen hat:
    jeder Finisher wurde geehrt und bekam neben einer Medaille auch eine Glasflasche Evian mit dem eigenen Namen drauf. Im Gegensatz zu herkömmlichen Wettkämpfen wurde nicht nach Altersklasse und Zeit gewertet – es ging primär darum, das Schwimmen zu genießen und anzukommen.

    Anfangs hatte der Moderator einen PC mit der Finisher-Liste – er rief nach und nach die einzelnen Athleten auf, die auf dem Podest ihre Medaille entgegennahmen. Wegen Hitze streikte nach wenigen Minuten allerdings der PC – aber die Franzosen kennen ja das berühmte „Système D“ – wobei das „D“ für „se débrouiller“, also „sich durchwurschteln“ steht – das deutsche Pendant dazu wäre „Trick 17“: nunmehr wurden alle verbleibenden Evian-Wasserflaschen alphabetisch nach den aufgedruckten Nachnamen sortiert, und nach dem Schema wurden die Athleten aufgerufen – solution très simple 🙂 Ziemlich zum Schluss ertönte dann auch mein Vorname – natürlich französisch ausgesprochen: Ülrisch. Ich sprang auf das Podest und nahm meine Präsente entgegen.

    Nach der Siegerehrung schaute ich mir noch meinen GPS-Track an und stellte fest, dass ich nicht geradlinig, sondern fast schon in Form einer S-Kurve geschwommen war:

    Anschließend ging ich in Evian-les-Bains direkt am Ufer noch eine Kleinigkeit essen, gönnte mir ein Bier und schrieb einige Postkarten. Ich genoss die wunderschöne Seesicht und das französische Flair und fühlte mich in die Zeiten meines Frankreich-Studiums von 1997 zurückversetzt. Ich verspürte eine Leichtigkeit und eine Lebensfreude – Savoir-Vivre halt. Die Bedienung, eine junge und bodenständige Französin, antwortete bei jeder Bestellung mit „oui – ça marche“ (ja, das geht) – eine Redewendung, die ich bisher in Frankreich noch nie im Zusammenhang mit Bestellung im Restaurant gehört habe.

    Um 18h ging es wieder mit der Fähre retour nach Lausanne – und es war schön, die zuvor geschwommene Strecke vom Boot aus Revue passieren zu lassen.

       

    Insgesamt war ich mit der Seeüberquerung sehr zufrieden – ich hatte bis zum Schluss genügend Energie-Reserven und keinen mentalen Einbruch. Der Flow stellte sich recht schnell ein. Außerdem war die Crew sehr sympathisch und freundlich!

    Lessons learned

    Das Sichten besser üben und auch das Abschätzen von Entfernungen im Wasser trainieren.
    Außerdem ruhig einmal während längerer Zeitabschnitte (1-2h) ohne Verpflegung trainieren.
    Oder – sofern beim Wettkampf mit Neo geschwommen wird – einige Energie-Riegel unter dem Neo verstauen. So hatte ich es zwei Monate später beim 17k Wörthersee-Swim gemacht, da es auf der gesamten Strecke nur zwei Verpflegungs-Stopps gab.

    Wertvoller Tipp wegen Schwimmbrille

    Bei früheren Wettkämpfen hatte ich immer wieder mit dem Beschlagen meiner Schwimmbrille zu kämpfen. Zwecks Sichten blieb mir manchmal nichts anderes übrig, als kurz zu stoppen und Brille abzuziehen, um meinen Kurs abzugleichen.

    Folgendes Vorgehen hat sich – auch letztes Jahr bei meinem Zürichsee-Schwimmen – sehr gut bewährt:
    die Schwimmbrille mit einem Anti-Fog Spray (oder Stift) behandeln, auswaschen und trocknen lassen. Auf gar keinen Fall die Gläser von innen berühren.
    Kurz vor dem Start das Gesicht anfeuchten, die Gläser von innen kurz „belecken“ und die Brille aufsetzen.
    Auch wenn diese Vorgehensweise nicht sehr bekannt ist – ich bin damit auch bei der Genfer-See-Überquerung sehr gut gefahren und hatte nicht einmal ansatzweise beschlagene Gläser!

  • Trainingslager im Oberpfälzer Seenland – Juni 2019

    Erlebnis-Bericht von Stefan Weiherer

     

    Für ein Wochenende hat eine kleine Truppe begeisterter Freiwasserschwimmer wieder das Oberpfälzer Seenland besucht. Heimat unseres geselligen Wirts.

    Dort gab es nach Ankunft am Freitag erstmal ein frisches Weißbier. Dazu wurden leckere Steaks und Würstl gegrillt, sowie frisches Gemüse. Außerdem gab es bunte Salate.

    Nach dieser Stärkung holten unsere zwei Gitarren Virtuosen ihre Instrumente heraus und es wurden bis tief in die Nacht bei Lagerfeuer die lustigen Lieder aus unserem Exathlon Liederbuch (made by Rookie) geträllert.

      

    Am nächsten Tag wurde zusammen mit einem weiteren Tagesbesucher aus Exathlon gemütlich gefrühstückt, bis es dann erwartungsvoll zur ersten Schwimmeinheit am Brückelsee ging. Nach Morgen-Yoga und Aufwärmphase war auch der letzte Exathlet wach und es wurde sich der Neo übergezogen um in das frische Nass zu starten.

    Diese Vormittagseinheit ging über 2000m und alle waren glücklich. Ohne Neo war das hellgrüne Wasser auch gut zu ertragen. Zum Energietanken ging es dann schnurstraks zum Biergarten des Landhotel Holzwurm, wo bereits die Spaghetti Napoli zubereitet wurden. Diese mundeten vorzüglich und alle wurden satt und gut gestärkt.

    Nach einer ausgedehnten Ablegepause am See, ging es wieder frisch ans Werk. Weitere 2000m standen auf dem Trainingsplan. Dem Trainer war das zu langweilig und er entschloss sich den Turbo einzulegen und noch 1k draufzulegen. Am Ende hätte er die anderen sogar um ein Haar noch eingeholt.

    Während dieser Trainingseinheit wurden wir vom Begleittretboot aus überwacht.
    Da jedoch mittlerweile am späten Nachmittag der Ostwind aufgefrischt hatte, trieb das Begleitboot immer mehr nach Westen ab. Eine Person alleine konnte es nicht schaffen gegen den Wellengang anzukämpfen.

    So wurde das Boot am westlichsten Steg abgestellt und drei starke Männer ausgewählt, welche das Tretboot mit vereinten Wadenkräften und einem Paddel entgegen der Wellen wieder zurück an den ersten von sechs Stegen beförderten.
    Somit war auch die Beineinheit für diesen Tag erfolgreich durchgeführt.

    Das Oberpfälzer gutbürgerliche Abendessen hatte man sich redlich verdient.
    …und auch das ein oder andere Eis.

      

    Am darauffolgenden Sonntag lief das Programm ähnlich ab. Darüber hinaus statteten noch zwei Exathleten aus München dem Trainingslager einen Besuch ab. Sie nahmen auch am See an der Vormittagseinheit teil und waren sehr zufrieden.
    Die Einheit erstreckte sich über 2000m für die Damengruppe und 3000m für die Herrengruppe, jedoch diesmal in einen weiter entfernten Teil des Sees.

    Nach der Pastapause am Mittag im vollen Biergarten des Gasthof Holzwurm und einer Verschnaufpause ging es bei bestem Sonnenschein auf eine abenteuerlichere Route. Der Brücklsee war mittlerweile mit einigen Segelyachten gespickt. Somit entschied man sich nicht den See zu queren, sondern stattdessen eine der nördlichen Buchten auszuschwimmen. Diese waren für die behäbigen Yachten zu klein um gut manövrieren zu können und man hatte als Schwimmer seine erwünschte Ruhe und Einsamkeit in einer Vierergruppe.

    Die Bucht erwies sich bis zum nördlichen Zipfel länger als gedacht. Und man hatte am Ende der ganzen Einheit am Einstiegspunkt 2800m auf der Garmin.

    Erschöpft aber glücklich kehrte man zum Abendessen erneut im Holzwurm ein und ließ den Abend bei kühlen Getränken und netten Gesprächen ausklingen, bevor die Rückreise nach München angetreten wurde.

  • Exathlon Eisschwimmen 2019

    Bericht von Kordula und Rossi

     

    Bereits seit zwei drei Jahren folgten wir Nadja zu den Eisschwimm German Open und bewunderten die mutigen Wettkampfteilnehmer, die sich scheinbar mühelos und gut gelaunt ins kalte Nass wagten. Und auch am Beckenrand kam Stimmung auf. Dazu zeigte sich uns die Eisschwimm-Szene noch sehr familiär. Der neue Weltrekordhalter startet mitunter mit den Just-For-Fun Startern von Nebenan. Jung, alt (teilweise ü70!), dünn, mit reichlich „Biopren“ ausgestattet, weltmeisterlich kraulend, in gemütlich ausladendem Kopf-über-Wasser-Bruststil durch das Wasser gleitend – jeder ist willkommen! Der Spaß steht hier noch ganz klar im Vordergrund! Diese Eindrücke nagten hartnäckig an einem. Irgendwann selbst mal ins Wasser steigen. Wenigstens die 50 Meter.

    Dieses Jahr war der innere Druck endlich so groß, dass – zunächst Rossi und Matthias – endlich einen Versuch wagen wollten. Einfach weiter, ein bis zweimal in der Woche, im See schwimmen gehen. Bald waren wir mit Kordula schon zu Dritt! Anfangs ein Abenteuer, inzwischen eine Leidenschaft! Stärkt die Abwehr und die Willenskraft und macht tatsächlich auch irgendwie richtig Laune 😉

    Es gibt wunderbare Wettkämpfe, klein und familiär und mit Strecken, die jeder bewältigen kann.
    Die 50 gehen immer und 200 Meter für Exathleten auch. Am Ende konnten wir sogar zweite und erste Plätze einfahren (und das ganz und gar ohne weltmeisterliche Zeiten) – das freut doch immer!

     

    Der erste Wettkampf war in Veitsbronn – ein kleines Dorf hinter Nürnberg, und in der Mitte ein 50m Becken, rechts davon eine Wiese, links die Andeutung einer Tribüne. Wunderbar für die Zuschauer. Sogar der Trainer ist angereist und hat uns unterstützt. Danke Oli! Eine junge Frau aus Leipzig ist den Weltrekord über 1000m geschwommen – in etwas mehr als 12 min!

          

          

     

    Der zweite Wettkampf war in Burghausen, Rossi alleine, im Wöhrsee, eine traumhafte Lokation, der Wöhrsee ist ein Moorsee unterhalb der Burg mit einer alten hölzernen Badeanstaltsbebauung an einem Ende. Richtig romantisch.

     

    Und der dritte Wettkampf am Chiemsee – genannt Eiskönig. Chiemsee ist einfach immer schön.
    Bei allen Wettkämpfen gibts eine Sauna und einen Warmwasser-Zuber (oder zwei) zum Aufwärmen nach dem Schwimmen, man trifft die Leute wieder und die Stimmung ist cool.

      

     

    Nun nach den Wettkämpfen lassen wir die Saison ganz entspannt ausklingen. Genuß-Eisbaden. Gerade jetzt mit den ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen – herrlich!
    Also Leute, wir freuen uns auf Zuwachs nächstes Jahr, und versprochen, es macht tierisch Spaß!
    Kordula & Rossi